Logo des Oö. Landesarchives - Link zur Startseite
KontaktSitemap
Oö. Landesarchiv

  
BenutzungWegweiserServiceBenutzungsordnungKnow-How

Quellen in der Pfarre

In den Pfarrämtern der Diözese Linz befindet sich eine Fülle von Archivunterlagen, die für die familien- und besitzgeschichtlichen Forschungen interessant sind. Allerdings sind sehr viele Pfarren nicht mehr ständig mit einem Priester besetzt. Die Terminvereinbarung mit dem zuständigen Seelsorger ist daher manchmal schwierig und zeitaufwändig. Deshalb sollte man die Recherchen in der Pfarre mit einem klaren Konzept beginnen, um Zeit zu sparen.

Die Erlaubnis zur Einsicht in die Originalmatriken wird vom Bischöflichen Ordinariat erteilt. Mit dieser Benützungsberechtigung kann man dann beim zuständigen Pfarramt telefonisch oder schriftlich die Bitte um Einsichtnahme in das Pfarrarchiv vorbringen. Zur Orientierung über die oberösterreichischen Matriken ist die Arbeit von Georg Grüll "Die Matrikeln in Oberdonau" zu empfehlen. Diese Einsichtnahme in die Originalmatriken ist nur mehr für jene Zeiträume notwendig, wo aus datenschutzrechtlichen Gründen eine Einsicht in die elektronischen Daten der Pfarrmatrikenduplikate, die im Oberösterreichsichen Landesarchiv vorhanden sind, verwehrt wird.

Für die Erhebungen ist zunächst der Pfarrsprengel zu ermitteln. Eine Hilfe dazu bietet der "Realschematismus sämtlicher Pfarren der Diözese Linz". Dieser berücksichtigt auch die Zerteilung großer Pfarrsprengeln in der Zeit um 1785 ("josephinische Pfarren").

Im Oberösterreichischen Landesarchiv befinden sich Verzeichnisse über die in den Jahren 1957-1969 vorgenommenen Besichtigungen der Pfarrarchive in den einzelnen Pfarrämtern. Diese enthalten kurze Beschreibungen der dort vorhandenen Bestände.

| Pfarrmatriken | Evangelische Matrikenführung | Altkatholische Matriken | Israelitische Kultusgemeinde | Sondermatriken | Eheakten | Verkündbücher | Taufbücher illegitimer Kinder | Totenbeschauzettel (Totenscheine) | Verschiedene Verzeichnisse (Register) |

Icon - Sprung zum Seitenanfang Pfarrmatriken

Staatlich geführte Personenstandsregister gibt es in Österreich erst seit dem Jahr 1939. Davor erfüllten die Matriken der Pfarrämter diese Funktion. Die Pfarrmatriken reichen im oberösterreichischen Raum größtenteils geschlossen bis in die Anfänge des 17. Jahrhunderts zurück, in 25 Pfarren sogar bis in das letzte Drittel des 16. Jahrhunderts. Für die Zeit von 1819 bis 1940 sind Zweitschriften (Duplikate) der Pfarrmatriken im Oö. Landesarchiv verfügbar (siehe dort). Die Einsicht ist allerdings für den Zeitraum der aktuell letzten hundert Jahre gesperrt.

Das Oberösterreichische Landesarchiv hat in Kooperation mit dem Diözesanarchiv Linz sämtliche Altmatriken, die in den einzelnen Pfarrämtern verwahrt werden, von Beginn an bis ca. 1820 digitalisiert. Ebenfalls in Kooperation mit der evangelischen Superintendentur A. B. für Oberösterreich wurden auch sämtliche Matriken der Pfarrgemeinden von Beginn an bis in die unmittelbare Gegenwart digitalisiert. Die Digitalisate können im Lesesaal des Oö. Landesarchivs eingesehen werden. Zur besseren Orientierung wurden auch die alphabetischen Namensverzeichnisse zu den Kirchenbüchern mitdigitalisiert. Wesentlich bequemer für die Nachforschungen ist allerdings die Suche im Internet. In Kooperation mit dem Diözesanarchiv Sankt Pölten wurde ein EU-Projekt gestartet, bei dem mehrere Staaten ihre digitalen Pfarrmatrikenbestände zur Einsicht zur Verfügung stellen (diese länderübergreifende Datenbank ist auf der Internetseite www.matricula-online.eu zu finden (Stand Februar 2011).

Das Wort Matriken leitet sich vom lateinischen Matricula ab und bezeichne in diesem Kontext ein "Abstammungsverzeichnis". Die Matriken bieten dichte demografische, statistische und ortsgeschichtliche Informationen und sind eine wichtige Quelle für die wissenschaftliche Forschung im Bereich der Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Familienstruktur, Berufe, Kriege, Heiligenverehrung, Unglücksfälle etc.), aber auch im Bereich der Medizin (Krankheiten, Seuchen etc.). Die Matriken sind unentbehrliche Quellen für die Familienforschung und auch für juristische Belange (z. B. Erbschaft oder Vaterschaft). Die Matriken sind also wichtige Archivalien von regionaler und überregionaler Bedeutung. Bereits seit dem 6. Jahrhundert gab es kirchliche Vorschriften, Täuflinge zu verzeichnen. Für die Familienforschung allerdings beginnt es erst im 16. Jahrhundert konkret zu werden. 1548 verlangte die Synode von Augsburg die Führung von Trauungs- und Sterbebüchern sowie die Erfassung der Osterkommunikanten.

Die tatsählichen Anfänge der Marikenführung im katholischen Bereich gehenauf das Konzil von Trient (1563) zurück, das der katholischen Pfarrgeistlichkit die Führung von Tauf- und Trauungsregistern zur allgemeinen Pflicht machte. Das Fühen der Trauungsbücher sollte u. a. formlose heimliche Ehen (Winkelehen) verhindern, denn nun wurde die kirchliche Ehe als einzige gültige Ehe mit priesterlichem Segen und Zeugen vorgeschrieben. Es konnte daher eine Ehe nicht mehr geleugnet und somit eine spätere zweite Heirat unterbunden werden. Zusätzlich zu den Tauf- und Trauungsregistern verordnete Papst Paul V. duch das Rituale Romanum von 1614 die Führung von Firmungsbuch, Familenbuch (auch Pfarr- oder Seelenbeschreibung genannt) und Sterbe- oder Totenbuch. Genaue Bestimmungen über Ordnung und Inhalt der kirchlichen Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher enthält somit erstmals das 1614 in Rom veröffentlichte Rituale Romanum. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) verhinderte jedoch vorerst die genaue Befolgung dieser Vorschriften. Erst das 1709 gedruckte Passauer Rituale - Oberösterreich gehörte bis zur Errichtung der Diözese Linz in den Jahren 1783/85 zur Diözese Passau -, in dem die römischen Anordnungen wiederholt wurden, verhalf der geordneten Matrikenführung in unserem Raum zum endgültigen Durchbruch (siehe J. Fessler, Stand der Frage wegen der pfarrlichen Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher in Österreich (1869) S. 1-10).

Taufbuch

In das Taufbuch ist nach kirchlicher Vorschrift folgendes einzutragen: Jahr, Tag und Monat der Taufe, Name des taufenden Pfarrers, Kirche und Ort der Taufe, Tag der Geburt des Kindes, Taufname des Kindes, die Namen der beiden Elternteile, Aufenthaltsort, Heimat und Familie der Eltern des Kindes, Name des Paten mit Herkunft und Wohnort. Bei unehelichen Kindern sollte mindestens der Name eines der beiden Elternteile eingetragen werden.

Trauungsbuch

In das Trauungsbuch ist einzutragen: Tag der Trauung, die drei von der Kanzel aus verkündeten Aufgebote mit genauer Datumsangabe und die Feststellung, dass kein gesetzliches Ehehindernis bekannt sei (diese Information fehlt zumeist), der Name des Pfarrers und seiner Pfarre, der Name des Bräutigams, dessen Vater und seine Heimatpfarre, der Name der Braut mit Angabe ihres Vaters (bei Witwen auch Angabe des verstorbenen Mannes) und der Heimatpfarre, die Zeugen mit Vatersnamen und Wohnort. Der Vorname der Bräutigammutter sowie der Brautmutter ist meistens mit angegeben, obwohl dies im Römischen Rituale nicht vorgeschrieben ist. Desgleichen ist auch vermerkt, ob Bräutigam und Braut ehelich oder unehelich geboren worden sind.

Sterbebuch

Im Sterbebuch werden nach dem römischen Rituale folgende Eintragungen gemacht: Jahr, Tag und Monat des Todes (meist ist das Begräbnisdatum angegeben), der Name des oder der Verstorbenen, des Vaters, Wohnort und Hausname oder Ort des Sterbens, Alter des oder der Verstorbenen, Tag und Ort des Begräbnisses, Empfang der Sterbesakramente. Bei Verstorbenen, die verheiratet waren, scheint in der Regel der Name der Witwe oder des Witwers auf.

Josephinische Änderungen

Am 20. Februar 1784 erließ Kaiser Joseph II. eine Anordnung betreffend die obligatorische Führung der Geburts-, Trauungs- und Sterberegister auch für die Zwecke der öffentlichen Verwaltung, in der einige Neuerungen gegenüber dem Römischen Rituale enthalten waren. Es wurde bestimmt, dass bei unehelichen Kindern der Vater nicht mehr bzw. bloß auf dessen Wunsch oder mit dessen Einwilligung eingetragen werden durfte. Seit dieser Matrikenreform wurden manchmal eigene Verzeichnisse über die Taufen unehelicher Kinder angelegt. Ihnen sind folgende Daten zu entnehmen:

Jahr, Ortschaft und Hausnummer sowie die Seite im Taufbuch, Vor- und Zuname der Mutter, Name, Stand, Beruf und Wohnort des Vaters. Die ebenfalls von Joseph II. geregelte Führung der Matrikenbücher getrennt nach Ortschaften bzw. Rotten hielt sich nicht lange. Schon in den Anfängen des 19. Jahrhunderts kehrte man zur früheren chronologischen Aufzeichnung zurück; die Formulare wurden verbessert, um mehr Platz für die Eintragungen zu bekommen, was sich für die Familienforschung sehr günstig auswirkt. Einen positiven Effekt betreffend die Nachforschungen hat die neue Vorschrift für die Matrikenführung, die im Linzer Diözesanblatt 1891, Nr. 20, verlautbart wurde und zur Folge hatte, dass ab 1892 neue, übersichtlichere Formulare zur Anwendung kamen. Die Vorschrift besagt, dass die Matriken chronologisch zu führen seien, die Nummerierung der Matrikenfälle in fortlaufender Reihenfolge sei zwingend vorgeschrieben; nicht nummeriert, aber eingetragen werden:

a) Taufen, die in einer anderen Pfarre stattfanden
b) Geburten, die bereits bei einer politischen Behörde matrikuliert wurden (z. B. nachträgliche Taufe eines Kindes konfessionsloser Eltern)
c) Trauungen, die in einer anderen Pfarre stattfanden
d) Mischehen, wenn eine Trauung vor dem akatholischen Seelsorger stattfand
e) Sterbefälle von Personen, die an einem anderen Ort starben und überführt wurden
f) Sterbefälle von Akatholiken, die am Sterbeort am katholischen Ortsfriedhof beerdigt wurden, weil kein Friedhof für ihre Konfession vorhanden ist.

Taufpaten und Trauzeugen müssen nun eigenhändig unterschreiben. Bei Schreibunkundigen muss ein des Schreibens kundiger Zeuge (z. B. Kirchendiener) beigezogen werden; der Schreibunkundige muss zumindest ein Handzeichen (ein bis drei Kreuzerln) beifügen.

Berichtigungen oder Ergänzungen im Matrikenbuch durften keinesfalls eigenmächtig durchgeführt werden, nachträgliche Änderungen und Ergänzungen bedingten den Behördenweg (angeordnete Änderungen des Kultusministeriums mussten vom Ordinariat bestätigt werden).

Unter diese Änderungen und Ergänzungen fallen:

a) Legitimation eines unehelichen Kindes
b) Annahme an Kindes statt (Adoption)
c) Konvalidation bzw. Ungültigkeitserklärung einer Ehe
d) Eintragung von bewilligten Namensänderungen und (bis 1919) erlangten Adelsernennungen

Das Dekret "Ne temere" von 1907 bestimmte, dass das Geburtspfarramt von der anderswo erfolgten Heirat bzw. Tod einer Person zu informieren sei und dies in den Matriken eingetragen werden solle.

Bei unehelich Geborenen kann das Weiterforschen sehr schwierig werden. Vielleicht kann man den Vater bei älteren Verwandten, bei der Gemeinde (in den Sammelakten der Personenstandsbücher) oder beim Bezirksgericht (wenn ein Vaterschaftsfeststellungsverfahren durchgeführt wurde) erfragen. Ist die Taufeintragung für einen unehelich Geborenen in der Heimatpfarre nicht zu finden, so ist es möglich, dass das Kind in der k.k. Gebär- und Findelanstalt in Linz (heute Landesfrauenklinik) geboren und in der Stadtpfarrkirche Linz getauft wurde. Die seit 1788/90 geführten Protokolle dieser Anstalt befinden sich im Oberösterreichischen Landesarchiv (freilich ist der Name des Vaters meist nicht angegeben.

Icon - Sprung zum Seitenanfang Evangelische Matrikenführung

Auf eine flächendeckende bzw. geordnete Matrikenführung der Protestanten kann in Oberösterreich nicht zurückgegriffen werden. In den (katholischen) Pfarrmatriken des Salzkammergutes sind teilweise am Anfang des 17. Jahrhunderts eigene Rubriken für die protestantischen Gläubigen geführt worden. Die Wandermatrik des Pastors Wolfgang Khellner, 1586-1588 in Aichkirchen und Neukirchen bei Lambach sowie 1588-1600 in Lauffen im Salzkammergut, ist ebenfalls nur ein spärlicher Fundus (Heider-Regesten im Oberösterreichischen Landesarchiv). Ferner existieren drei Kirchenregister der evangelischen Stände (Landhausmatrikeln) im Land ob der Enns (Taufen, Hochzeiten und Leichenbegängnisse 1576-1617). Nachdem den evangelischen Ständen von den Kaisern Ferdinand I. und Maximilian II. die Abhaltung von Gottesdiensten in ihrer Landhauskirche in Linz gestattet worden war, machten vor allem die Adeligen und Bürgerlichen, aber auch Handwerker- und Bauernfamilien in und um Linz davon Gebrauch. Ein Verzeichnis der Eheschließungen in der Evangelischen Kirchengemeinde Linz von 1855 bis 1928 enthält das sog. "Verkündbuch", das im Oberösterreichischen Landesarchiv im Bestand Superintendentur, Handschrift 12, verwahrt wird.

Erst seit dem Toleranzedikt vom 13.10.1781 , das im Wesentlichen die freie Religionsausübung und annähernd gleiche Rechte für alle protestantischen Bekenntnisse und die nichtunierte griechische Kirche brachte, war den evangelischen Pastoren die Führung von Tauf-, Trauungs- und Sterbebüchern erlaubt, doch galten sie bloß als Privatnotizen, hatten also nicht die Beweiskraft öffentlicher Urkunden. Sämtliche Matrikenfälle mussten beim jeweiligen katholischen Matrikenführer angezeigt werden, da nur den Eintragungen in die ortszuständigen katholischen Pfarrmatriken volle rechtliche Beweiskraft zukam.

Die Matriken der einzelnen evangelischen Pfarren (A. B.) werden jeweils seit dem Gründungsjahr geführt, d. h. in den neun Toleranzgemeinden (die kurz nach der Verkündung des Toleranzedikts 1781 entstanden) Goisern, Gosau, Rutzenmoos, Scharten, Wallern, Wels, Eferding, Neukematen und Thening liegt der Beginn zwischen 1782 und 1784.

Durch allerhöchste Entschließung vom 20.11.1829 wurde den "akatholischen" Seelsorgern die Befugnis bzw. Auflage erteilt, eigene Tauf-, Trauungs- und Beerdigungsmatriken zu führen, deren Beweiskraft den katholischen Matriken gleichgestellt war. Allerdings mussten über die vorgefallenen Tauf-, Trauungs- und Beerdigungsakte Duplikate angefertigt und dem ortszuständigen katholischen Matrikenführer bzw. Pfarrer übersendet werden, der sie in den eigenen Matriken vermerkte; für die Ausstellung von Tauf-, Trauungs- und Totenscheinen durfte keine Gebühr eingehoben werden, und die Ausfolgung ohne Sichtvermerk des katholischen Pfarrers, der dafür die Stolgebühr einhob, war verboten.

Erst 1849 wurde die Ungleichheit beendet, die Beschränkungen des Hofkanzleidekretes von 1829 fielen, und den protestantischen Seelsorgern wurden dieselben Rechte eingeräumt wie den katholischen. Die Bezeichnung "akatholisch" für die protestantischen Konfessionen wurde im amtlichen Verkehr auf "Evangelische der Augsburger" bzw. "der Helvetischen Konfession" geändert. Ab 1849 sind daher keine protestantischen Matrikenfälle mehr in den katholischen Matriken vermerkt. Nur in Ausnahmefällen geschah dies weiterhin bis zum Jahre 1938.

Für Matrikenanfragen bei den evangelischen Pfarrgemeinden  A. B. und H. B. sind zuständig:

Icon - Sprung zum Seitenanfang Altkatholische Matriken

Die altkatholische Kirche hat seit 18. Oktober 1877 (RGBl. 99/1877) die gesetzliche Anerkennung als Religionsgesellschaft und mit dem RGBl. 100 vom 8. November 1877 das öffentliche Matrikenrecht. Die Tauf-, Trauungs und Sterbebücher der altkatholischen Pfarrgemeinden Linz und Ried im Innkreis beginnen jeweils 1878. Von der Pfarre Ried im Innkreis befinden sich Eheeintragungen von Altkatholiken aus den Jahren 1872 bis 1877 als Beilage im röm.-kath. Trauungsbuch der Pfarre Ried im Innkreis.

Icon - Sprung zum Seitenanfang Israelitische Kultusgemeinde

Mit Gesetz vom 10. Juli 1868 (RGBl. 12/1869) erhielten die Matrikenbücher der Israeliten mit 26. Jänner 1869 die Beweiskraft öffentlicher Urkunden. Die bis dahin angeordnete Kontrolle, Beglaubigung und Vidierung der israelitischen Matrikeneintragungen durch den katholischen Seelsorger entfiel damit. Die Matriken der israelitischen Kultusgemeinde wurden 1938 eingezogen, ihr Verbleib ist bisher nicht geklärt.

Icon - Sprung zum Seitenanfang Sondermatriken

Spitalmatriken

Einen Sonderstatus mit dem Recht zur Führung von eigenen Sterbebüchern hatte das Spital der Barmherzigen Brüder in Linz. In den Sterbebüchern wurden die Todesfälle der im Spital Verstorbenen in fortlaufender Reihenfolge ohne Unterschied der Konfession eingetragen. Die Sterbebücher beginnen mit der Gründung des Spitals im Jahre 1757. Zweitschriften davon befinden sich für die Jahre 1858-1880, 1927-1938 und 1940 im Oberösterreichischen Landesarchiv beim Bestand der oberösterreichischen Pfarrmatrikenduplikate.

Marine und Kaiserhaus

Besondere Bestimmungen galten auch für die Registrierung der Geburts-, Trauungs- und Sterbeakte, welche auf österreichischen Handels- oder Kriegsschiffen bezüglich darauf befindlicher Zivilpersonen aufgenommen wurden, ferner für die Mitglieder des Kaiserhauses, hier war die Hof- und Burgpfarre Wien zuständig.

Militärmatriken

Die Besonderheit der Militärmatriken erklärt sich aus der Exemtion aus dem Pfarrverband, welche die zum Militär gehörenden Personen in Österreich schon früh erlangt haben. Das Militärreglement von 1768 besagt, dass die Matrikenbücher für die Militärpersonen von den Militärgeistlichen zu führen seien. Nach späteren Vorschriften unterschied man zwischen Personen, welche zur "militia vaga", und solchen, welche zur "militia stabilis" gehörten. Für letztere führte der Zivilseelsorger die Matriken, für erstere regelmäßig die Militärgeistlichkeit. Über die im Felde vorkommenden Taufen, Trauungen und Sterbefälle wurden Manualprotokolle geführt. Die Führung der Militärmatriken wurde 1869 den Militärpfarrern, -kuraten und -kaplänen übertragen. In kleineren Garnisonsorten verblieb man bei der Gepflogenheit, dass der Ortspfarrer die vorgekommenen Matrikenfälle in seiner Pfarrmatrik ersichtlich machte und die Extrakte dem betreffenden Truppenkörper zusandte. Nur für die Militärpersonen der israelitischen Konfession wurde in Friedenszeiten kein besonderer Militärgeistlicher aufgestellt.

Daten ehemaliger Militärangehöriger sind im Österreichischen Staatsarchiv, Abteilung Kriegsarchiv, A-1030 Wien, Nottendorfergasse 2 zu erfragen. Die Militärmatriken des ehemaligen Feldvikariates sind ebenfalls dort verwahrt. Als Nachschlagewerke kommen verschiedene Militärschematismen in Frage. Eine Kurzübersicht über österreichische Truppengeschichte bringt die Zeitschrift "Adler" 2. Jahrgang (1940) 24-28.

Icon - Sprung zum Seitenanfang Eheakten

Eheakten (auch Matrikelakten oder später Brautprüfungsprotokolle genannt) liegen in den meisten Pfarrämtern auf, sie beginnen in der Regel um 1800 und sind meistens chronologisch geordnet. Ein Eheakt besteht gewöhnlich aus folgenden Teilen:

Verkündschein

Im Verkündschein (= pfarramtliche Bestätigung, dass kein Ehehindernis besteht und somit das Aufgebot von der Kanzel verkündet werden kann) scheinen die Daten des Bräutigams, seiner Eltern, dann die Daten der Braut und ihrer Eltern auf (Tauf- und Familiennamen mit Orts- und Pfarrnennung), teilweise mit weiteren Angaben (Dienstverhältnis etc.). Sogenannte "Verkündbücher" sind nach Georg Grüll (Die Matrikeln in Oberdonau, Linz 1939-40) in den meisten oberösterreichischen Pfarren - allerdings lückenhaft - vorhanden.

Meldschein (Ehekonsens)

Mit dem Meldezettel oder Meldschein bestätigte die Obrigkeit (Grundherrschaft bzw. Distriktskommissariat) die ordnungsgemäße Anmeldung und Genehmigung der Verehelichung. Nach 1848/49 stellte die zuständige Gemeindeverwaltung für beide Brautleute den Meldschein als Bestätigung der ordnungsgemäßen Anmeldung aus. Er enthält folgende Angaben über die Person: Tauf- und Familienname, Datum des Ansuchens, Geburtsdatum, Geburtsort, Hausnummer, Pfarre, Stand, Alter, Gewerbe oder Beschäftigung, Tauf- und Familienname des Ehepartners mit dessen Personaldaten.

Gesuch-, Erledigungsschreiben

Das Gesuch- und Erledigungsschreiben des Distriktskommissariates enthält die amtliche Genehmigung der Verehelichung sowie den kreisämtlichen bzw. bezirksverwaltungsbehördlichen Dispens, wenn das Aufgebot nachgesehen wurde.

Religionszeugnis

Die Religionszeugnisse der Brautleute bestätigen, dass sie vom Seelsorger über die wesentlichsten Grundkenntnisse der katholischen Glaubens- und Sittenlehre unterrichtet wurden und enthalten ebenfalls Daten zur Person aus den Taufscheinen der Brautleute (bei Verwitweten auch Totenschein des Ehepartners).

Taufschein (Taufzeugnis)

Die Taufscheine der Brautleute stellen einen Auszug aus dem jeweiligen Taufbuch dar.

Icon - Sprung zum Seitenanfang Verkündbücher

Die Verkündbücher beginnen erst im ausgehenden 18. Jahrhundert, sind dafür aber meistens informationsreicher als die Trauungsmatriken, denn in ersteren wurden die beabsichtigten Eheschließungen von Pfarrangehörigen festgehalten bzw. verkündet, auch wenn sie in einer anderen Pfarre heirateten. Sie sind daher wertvolle Quellen für den Haus- und Familienforscher.

Icon - Sprung zum Seitenanfang Taufbücher illegitimer Kinder

In 80 oberösterreichischen Pfarren gibt es eigene ("geheime") Taufbücher für uneheliche Kinder (Libri illegitimorum), in denen neben den Namen der Mütter die Namen der vermuteten sowie die der deklarierten Kindesväter eingetragen wurden. Die meisten dieser "geheimen" Taufbücher beginnen 1770/71 und reichen in der Regel bis maximal 1816. In der Pfarre Ostermiething existieren Aufzeichnungen von 1599 bis 1707, und von der Pfarre Naarn gibt es Unterlagen von 1686 bis 1698 und von 1773 bis 1808. Bei einigen wenigen Pfarren beginnen die Aufzeichnungen jedoch sehr viel später und decken Zeiträume zwischen 1821 und 1902 ab. eine detaillierte Übersicht bietet die Publikation von Georg Grüll, Matrikeln in Oberdonau (1939), an.

Icon - Sprung zum Seitenanfang Totenbeschauzettel (Totenscheine)

Die Totenbeschauzettel beginnen günstigstenfalls Anfang des 19. Jahrhunderts. Die wichtigsten Angaben darin sind:
Vor- und Zuname der/s Verstorbenen, Alter, Stand, Geburtsort (hier kann auch fälschlich der letzte Wohnort oder die Grundherrschaft angegeben sein), Vaterland, Wohnort/Wohnung, Tag und Stunde des Ablebens, letzte Krankheit/Todesursache, Tag und Stunde der Beerdigung.

Icon - Sprung zum Seitenanfang Verschiedene Verzeichnisse (Register)

Beicht- und Kommunikantenregister

Um sich ein Bild von den Rekatholisierungsmaßnahmen in den Pfarren zu verschaffen, wurde seit dem 16. Jahrhundert den Untertanen jedes Jahr zur Osterzeit Beichte und Kommunion abverlangt und ihnen eine Gebühr von einigen Kreuzern vorgeschrieben. Die Beicht- und Kommunikantenregister sind meistens nach folgendem Schema angelegt:

Jahr, Pfarre, Hof- bzw. Hausname, Ortschaft, nach 1771 auch mit Hausnummer, Name des Besitzers des Hofes bzw. Hauses mit Ehefrau, Kindern (wenn die Eltern noch lebten sind auch diese als Auszügler angeführt), Knechten, Mägden (sowie deren Kindern) und Inwohnern bzw. Inleuten. Zu den Personen sind meistens noch das Lebensalter, nachträglich mitunter auch die Geburtsdaten, eventuell Sterbedaten, angeführt. Sollte eine Person in eine andere Pfarre verzogen sein, so ist dies ebenfalls vermerkt.

Besonders häufig scheinen die Inwohner mit ihren Familien in den Aufzeichnungen der Pfarren von Städten und Märkten auf, da sie meistens in den Zentren ein Handwerk oder Gewerbe ausübten.

Wie eine Durchsicht der oö. Pfarrrevisionsberichte von 1957 bis 1969 ergab, setzen diese Verzeichnisse jedoch sehr spät ein bzw. es sind schon sehr viele von ihnen in Verlust geraten, denn nur die Pfarren Gaspoltshofen (1624-1948) und Schörfling (1654, 1683-1731) verzeichnen bei den Beichtregistern ältere Bestände. Nicht viel besser sieht die Situation bei den Kommunikantenverzeichnissen aus, denn nur die Pfarren Pfarrkirchen bei Bad Hall (1624-1628) und St. Georgen im Attergau (1633 aus einem Buchdeckel) scheinen als Pfarren mit den ältesten Aufzeichnungen auf. Im 18. Jahrhundert beginnen zumindest 25 Pfarren Beichtregister und 15 Pfarren Kommunikantenregister zu führen.

Seelenbeschreibungen (auch Pfarr- oder Familienbeschreibungen genannt)

Zusätzlich zu den Beicht- und Kommunikantenregistern wurden Pfarr-, Familien- oder Seelenbeschreibungen vorgenommen, manchmal wurden diese Beschreibungen auch Familienbuch genannt, jedoch sind lediglich in den Pfarren Allerheiligen (von 1584 bis 1938, allerdings nur eine Rekonstruktion aus den Matriken, alphabetisch nach Familiennamen geordnet, zusammengestellt und maschinschriftlich verfasst vom Parrer Josef Radgeb, 1940-1943), Peuerbach (1562-1853) und Weyer (1581 bis ins 19. Jahrhundert) ältere Aufzeichnungen erhalten geblieben. Immerhin beginnen zumindest in 25 Pfarren diese Seelenbeschreibungen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in diesen sind sämtliche Einwohner, nach Ortschaften gegliedert, aufgezählt. Folgende Angaben sind darin enthalten:

Ortschaft, Hausnummer und Hausname sowie Bewohner (Besitzer mit Ehefrau und Kindern, Dienstleute und Inwohner mit ihren Kindern sowie Auszügler). Bevölkerungsgeschichtlich bedeutsam sind die Altersangaben, mitunter sind sogar die Geburtsdaten vermerkt. Wenn eine Person aus einer anderen Pfarre zuzog, ist das des Öfteren vermerkt worden. Ferner sind für das kirchliche Leben interessante statistische Angaben (Kommunion, Firmung etc.) enthalten.

Die Beicht- und Kommunikantenregister sowie die Seelenbeschreibungen sind oft die einzigen Quellen, in denen man die sogenannten "Inwohner" (Leute, die für eine bestimmte Arbeitsleistung oder gegen Bezahlung am Hof bzw. Haus Unterkunft bekamen) finden kann.

Kirchensitzregister

Diese sind nur ganz vereinzelt bis in das 16./17. Jahrhundert zurückreichend vorhanden. Die Kirchensitzregister wurden immer auf den neuesten Stand gebracht, sodass unter Umständen auch hier ein Generationswechsel auf einem Haus oder Hof erkennbar ist.

Kirchenrechnungen

Diese sind insbesondere für Ortschroniken oder Heimatbücher wertvolle Quellen, enthalten sie doch Angaben über alle Anschaffungen (= Ausstattung, Zu-, Um- und Neubauten) der Kirche und somit auch über das Kirchenvermögen selbst. In den Abrechnungen können zahlreiche Angaben wie die Namen der Künstler, Kunsthandwerker und Arbeiter, die Baukosten und die ausbezahlten Löhne enthalten sein. Weiters zeigen die Rechnungen auch bis zu einem gewissen Grad die Vermögensverhältnisse der Pfarrbewohner, da die "Kirchenvermögensverwaltungen" auch als Darlehensgeber fungierten. Duplikate von Kirchenrechnungen der oberösterreichischen Pfarren seit ca. 1790 bis 1970 werden im Diözesanarchiv Linz aufbewahrt. Allerdings hat der Bestand Lücken, seit er im Zweiten Weltkrieg auf mehrere Standorte ausgelagert war.