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Jahresbericht 2014

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Icon - Sprung zum Seitenanfang Einleitung

Das Arbeitsjahr 2014 sollte mit der Inbetriebnahme des Archivinformationssystems AUGIAS den vorläufigen Abschluss einerseits der seit Jahren laufenden Vorbereitungen für zeitgemäße Erschließungs- und Bereitstellungsmethoden, andererseits auch der Integration der ehemaligen Zentralregistratur bringen. Es kam anders: Deutlicher Essiggeruch in einem Mikrofilmmagazin warf im Endeffekt die gesamte Planung um (siehe Bericht Essigsäuresyndrom und seine Folgen). Obwohl diese ‚Beinahe-Katastrophe‘ in der kurzfristigen Wahrnehmung alles andere überragt, gibt es andere Schwerpunkte und Erfolge, die längerfristig wohl wichtiger für die Entwicklung des Landesarchivs sind.

So ist es gelungen, das EU-geförderte Projekt BAS-net zu einem guten Ende zu bringen, was insofern ein besonderer Erfolg ist, als das Landesarchiv erstmals als Leadpartner tätig war und eine Änderung der ‚Spielregeln‘ währen des Projektverlaufes den Verwaltungsaufwand beinahe unerträglich steigerte. Das dabei erworbene Knowhow wird dem Archiv noch vielfach zugutekommen. Der wissenschaftliche Ertrag (siehe Bericht) und die Tatsache einer neuen nachbarschaftlichen Verbundenheit mit bayerischen Archiven und Wissenschaftlern rechtfertigen aber auch in der Sache den hohen Aufwand.

Die Fertigstellung des ersten Bandes des Historischen Atlas Innviertel und dessen Erschließung in einem DOGA-Layer sind nicht sosehr der Endpunkt eines Projektes, sondern vielmehr der Start in eine neue Art und Dimension der Erschließung und Vermittlung historischer Informationen. Langfristig wirksam ist auch der wissenschaftliche Ertrag der Forschungen im Projekt „Oberösterreich 1918 1938“, das mit den ersten Publikationen in seine letzte Phase tritt.

Mit den guten Fortschritten bei der Digitalisierung der Grundbücher oberösterreichischer Bezirksgerichte sind auch im Bereich der Quellensicherung beachtliche und vor allem nachhaltige Erfolge zu verzeichnen.

Es ist also keineswegs so, wie gelegentlich fernstehende Pessimisten vermuten, dass dem Götzen Digitalisierung die eigentlichen Aufgaben des Archivs geopfert würden. Ganz im Gegenteil: Wissenschaftliche Forschung und Zusammenarbeit, Quellensicherung, Bestandserschließung und kundenfreundliche Bereitstellung sind ohne digitale Werkzeuge nicht mehr zu leisten. Im Jahresbericht 2003 hieß es: „Mit der Beschaffung einer hochwertigen Digitalfoto-Ausrüstung und eines Mikrofilm-Scanners wurde ein erster, wichtiger Schritt in die digitale Zukunft des Archivs getan... Es wird eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre sein, eine Infrastruktur zu schaffen, mit der die neuen technischen Möglichkeiten systematisch und effektiv für die Kernaufgaben der Sicherung und Bereitstellung von Archivalien eingesetzt werden.“ Elf Jahre später sind wir diesem Ziel ein großes Stück näher.

Gerhart Marckhgott

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Essigsäuresyndrom und seine Folgen

(Gerhart Marckhgott)

Durch den Ausbruch des Essigsäuresyndroms in den umfangreichen Mikrofilmbeständen, die das Landesarchiv mit der Zentralregistratur 2012 ‚geerbt‘ hatte, stand das Landesarchiv im Spätsommer des Berichtsjahres plötzlich und völlig unvorbereitet vor der vielleicht umfangreichsten Rettungsaktion seit Kriegsende.

Zentralregistratur

Die Anfänge der Zentralregistratur als Dienststelle des Regierungsapparates der Landesregierung und Statthalterei ob der Enns liegen im 19. Jahrhundert, als die Aktenproduktion der Kanzleien so groß wurde, dass diese im eigenen Papier zu ersticken drohten. Aufgabe der Zentralregistratur war seither die Verwaltung von Akten, die zwar nicht mehr aktuell bearbeitet wurden, auf die aber aus rechtlichen oder organisatorischen Gründen noch nicht verzichtet werden konnte.

Als in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Papierproduktion der Verwaltung abermals markant anstieg, wurde der grundsätzliche Beschluss gefasst, die Raumprobleme der Zentralregistratur durch die Einführung systematischer Ersatzverfilmung zu beheben. Der Mitarbeiterstand stieg rasch in zweistellige Höhen, zumal die neue „Mikrofilmstelle“ auch als Auffangstelle für ‚überschüssiges‘ Personal verstanden wurde. Erst gegen Ende des letzten Jahrhunderts erfolgte eine Redimensionierung.

Wenig später begann sich die schleichende Obsoleszenz der Mikrofilmtechnologie abzuzeichnen: Mikrofilme sparen zwar Stauraum, erfordern aber mindestens genauso hohen materiellen und personellen Bereitstellungsaufwand wie Papierakten. Digitalisierungstechnik einerseits und Spar- bzw. Rationalisierungsdruck andererseits führten um 2010 zum Beschluss, die Reproduktionstätigkeit der Zentralregistratur von Mikrofilm- auf Scantechnik umzustellen. Den Anlass dafür bot die organisatorische Integration der Zentralregistratur ins Landesarchiv mit 1. 1. 2012.

Essigsäuresyndrom

Bei der Einrichtung der Mikrofilmstelle war die Verwendung von Mikrofilmen auf Zellulose-Acetatbasis (als Nachfolger der feuergefährlichen Nitrofilme) üblich, die erst gegen Ende des Jahrtausends durch den heutigen Polyesterfilm ersetzt wurden. Diese Acetatfilme sind instabil, weshalb von den Herstellern ‚lebensverlängernde‘ Lagerbedingungen bei niedriger Temperatur und niedriger Luftfeuchtigkeit empfohlen wurden. Durch Feuchtigkeit oder Wärme lösen sich die Acetylgruppen von der Zellulosekette und verbinden sich mit Wasser zu Essigsäure.1 Bei entsprechend hoher Konzentration der Essigsäure‚dämpfe‘ verselbständigt und beschleunigt sich der Prozess („autokatalytisch“). Folge: Der Mikrofilm baut sich unaufhaltsam chemisch ab, wird spröde, schrumpft bis zur Unbrauchbarkeit und riecht nach Essigsäure.

Im Sommer 2014 stellten Archivmitarbeiter/innen in manchen Bereichen des Filmlagers eine unangenehm hohe Konzentration eines schon länger wahrnehmbaren Essiggeruches fest. Nach Ausräumung der Vermutung, dies könnte die Folge von Fehlern bei der Filmentwicklung sein (zu wenig ‚Wässerung‘ etc.), stand die Diagnose fortgeschrittenen Befalles mit dem Essigsäuresyndrom fest. Während die Tatsache an sich durch handelsübliche Teststreifen (acid detection stripes) rasch verifiziert werden konnte, war es trotz internationaler Umfrage nicht möglich, Prognosen über die restliche Lebensdauer befallener Filme zu bekommen; es war daher vom worst-case-Szenario auszugehen, das erste Totalverluste binnen Monaten befürchten ließ.

Beim derzeitigen Wissensstand ist als Auslöser das Zusammentreffen mehrerer ungünstiger Faktoren anzunehmen: Die Filme wurden in Plastikboxen bei Zimmertemperatur in feuer- und luftdichten Sicherheitsschränken aufbewahrt. Da sie nur sehr selten benutzt (und damit auch durchlüftet) wurden, konnte die entweichende Essigsäure nicht abfließen, sondern wurde immer höher konzentriert, bis sich der Schadensprozess ab dem autokatalytischen Punkt verselbstständigte.

Rahmenbedingungen

Im Zuge der Umstellung der Landesverwaltung auf ‚elektronische Akten‘ werden also seit 2012 von den Kanzleien abgegebene Akten nicht mehr verfilmt, sondern gescannt. Dieser – zum Teil auch rückschreitende – Vorgang hatte bisher Priorität vor Mikrofilmdigitalisierung und Metadatenkonversion. Wegen des drohenden Totalverlustes der Filme (und damit von Jahrzehnten an Verwaltungsschriftgut) war eine sofortige Umstellung der Prioritäten notwendig – mit allen Konsequenzen im materiellen, finanziellen und personellen Bereich. Sofort nach der ersten Diagnose wurden die vorgesetzten Stellen informiert und von dort eine abteilungsübergreifende Arbeitsgruppe eingesetzt, in der vor allem die wirtschaftlichen Aspekte diskutiert und entschieden wurden. Mangels Alternativen wurden die Kosten für die Einrichtung eines ausreichend dimensionierten Kühllagers erhoben (zu den Quantitäten siehe unten), vor allem aber auch die Frage von Ersatzreproduktionen diskutiert. Der Tatsache, dass bisher international nur das Umkopieren auf Polyestermaterial praktiziert wurde, stand gegenüber, dass (a) die anzufertigenden Reproduktionen in digitalem Umfeld eingesetzt werden sollten, (b) das Landesarchiv bereits Erfahrungen mit der inzwischen ausgereifteren Digitalisierungstechnik gesammelt hatte und (c) von Seiten der Abteilung IT „sicherer“ Massenspeicherplatz angeboten werden konnte. Eine mittel- und langfristige Folgenabschätzung gab schließlich den Ausschlag für Digitalisierung. Während dafür anfangs das Scannen durch externe Dienstleister favorisiert wurde, führte wenig später die Feststellung vielfältiger organisatorischer Schwierigkeiten zum Beschluss, den gesamten Vorgang intern durchzuführen. Binnen eines Monats konnte ein Maßnahmenpaket formuliert werden, dessen Sonderfinanzierung vom Finanzreferenten Landeshauptmann Dr. Pühringer genehmigt wurde.

Spätere Testserien führten zu der bereits oben angeführten Ursachentheorie, in der die Lagertemperatur nur eine untergeordnete Rolle spielt. Da zudem auch keine klare Aussage zu finden war, ob und wieweit Kühlung den einmal in Gang gekommenen Schadensprozess verzögern könne, wurde der Plan zur Einrichtung eines trockenen Kühllagers als unverhältnismäßig aufwändig und teuer fallengelassen. Nach derzeitigem Planungsstand werden die digitalisierten Filmrollen in einem gut belüftbaren Kellerraum in Gitterboxen mit Aktivkohlevliesen gelagert und weiter beobachtet; ihr eventueller Verlust kann nach erfolgreicher Digitalisierung wohl in Kauf genommen werden.

Projektumfang

Nach ersten Schätzungen umfasste der potenziell bedrohte Mikroformenbestand 30 bis 40.000 Rollfilme (mit – je nach Film- und Kameratyp – zwischen 800 und 4000 Aufnahmen), Millionen Jackets sowie 523.000 Lochkarten. Da weder über den Gesamtbestand noch die verfilmten Inhalte strukturierte Übersichten vorhanden waren, wurden die handschriftlichen Aufzeichnungen (Verfilmungsprotokolle) in einer Datenbank erfasst, die als zentrales Steuerungsinstrument des Digitalisierungsprojektes dient. Die Hoffnung, dass die für viele Aktenproduzenten angefertigten Diazo-Duplikatfilme das Problem entschärfen könnten, erfüllte sich weder technisch (auch diese Filme basierten früher auf Azetat) noch praktisch (optisch schlechtere Qualität).

Für die Feststellung, welche Filme vordringlich zu digitalisieren seien, stehen zwei Kriterien zur Verfügung: a) Materialbeschaffenheit und b) Bewertung.

ad a)

Nachdem die Produktion von Mikrofilmen offenbar schon in den siebziger und achtziger Jahren von Azetat auf Polyester umgestellt worden war, dauerte es noch einige Zeit, bis die neuen Materialien auch zu den Endverbrauchern gelangten. Weil sich die beiden Filmarten für das freie Auge nicht unterscheiden und keine Aufzeichnungen über die Filmbeschaffung vorhanden sind, mustes mittels Tests am Bestand selbst die Unterscheidung zwischen gefährdeten und haltbaren Filmen durchgeführt werden. Von den wenigen publizierten Unterscheidungsmethoden kamen nach Versuchen in der Praxis nur zwei in die engere Wahl, von denen jene der Lichtdurchlässigkeit von Filmrollen daran scheiterte, dass durchwegs geschlossene Filmspulen in Verwendung waren; es hätte jeder Film erst umgespult werden müssen. Somit blieb als einzige durchführbare Methode die Prüfung zwischen Polarisationsfiltern. Sie wurde jüngst abgeschlossen und ermöglicht es nun, tausende Polyesterfilme in eine niedrigere Prioritätenstufe zu reihen.

ad b)

Es gibt zwei Kategorien von Mikrofilmen, deren Verlust in Kauf genommen werden kann: zum einen Filme, die ohne organisatorischen Auftrag, also nur ‚vorsichtshalber‘ oder gar nur zur Arbeitsbeschaffung angefertigt wurden, zum anderen Reproduktionen minderer Qualität von heute noch vorhandenen Originalen. Letzteres könnte unter anderem auf tausende Kanzleiprotokolle und –indices zutreffen, für deren Reproduktion die damals verwendeten Kameras wenig geeignet waren.

Eine Bewertung nach rechtlichen oder geschichtswissenschaftlichen Gesichtspunkten dagegen ist nicht sinnvoll möglich, weil auf den meisten Filmen mehrere Aktenserien unterschiedlicher Provenienz – und damit unterschiedlicher Bewertung – vorhanden sind. Der Aufwand selektiver Digitalisierung würde den Nutzen voraussichtlich deutlich übersteigen.

 

Organisatorische Entscheidungen

Da es sich bei den mikroverfilmten Akten zum Großteil um offizielles Schriftgut handelt, das noch nicht 30 Jahre alt ist und daher noch in die Zuständigkeit der produzierenden Stellen bzw. der Abteilung Präsidium fällt, waren von letzterer einige Grundsatzentscheidungen zu treffen.

Im Zuge der Workflowentwickung für die Scanner stellte sich die Frage, wie das Endergebnis des Scanvorganges aussehen solle. Mikrofilmscanner produzieren Bildstreifen (stripes), die in einem zweiten Arbeitsgang in durchlaufend nummerierte Einzelbilder zerlegt werden. Da in der vormaligen Mikrofilmstelle die sehr sinnvolle Maßnahme, nach jedem verfilmten Akt eine Leeraufnahme zwischenzuschalten, nach einigen Jahren wieder aufgegeben worden war, ist es nicht möglich, Anfang und Ende von Akten maschinell zu erkennen. Als Alternativen standen daher zur Wahl, entweder (a) wie bisher ganze Filme ungegliedert bereitzustellen, (b) nur bei Bedarf bzw. Anforderung einzelne Akten zu rekonstruieren oder (c) die flächendeckende Aktenrekonstruktion in das Projekt mit aufzunehmen. Entschieden wurde zugunsten der letzteren Vorgangsweise, um die hohe rechtliche Beweiskraft normgerecht hergestellter Mikrofilme auch für die (Sekundär-)Digitalisate bewahren zu können. Dies wird die Projektdauer zwar deutlich verlängern, aber die Ergebnisqualität deutlich und nachhaltig erhöhen.

Eine weitere, derzeit noch ausstehende Grundsatzentscheidung betrifft die Erschließung der (rekonstruierten) Akten.  Im Sinne der Einheitlichkeit digitalen Archivgutes werden die Digitalisate der Mikrofilme ebenso wie jene von Papierakten als Multipage-PDF zusammengefasst, mit Signatur versehen und dann als Ediakt-Pakete2 gespeichert. Die Dateien bzw. Pakete erhalten als Bezeichnung das Geschäftszeichen (Aktengruppenzeichen + Geschäftszahl) des zugrundliegenden Aktes; das ist das einzige Metadatum, das beim Digitalisierungsprozess gewissermaßen automatisch entsteht und mitgegeben wird. Es ermöglicht eindeutigen Zugriff, aber keine Recherche – was in der Regel für den Amtsbetrieb völlig ausreicht, externe oder spätere historische Recherchen aber unmöglich macht. Die üblichen Metadaten (Beschlagwortung etc.) liegen großteils noch in handschriftlichen Kanzleibehelfen, teilweise schon im ehemaligen Aktenverfolgungssystem KZL vor. Derzeit werden die Möglichkeiten geprüft, die wichtigsten Metadaten aus den Originalbehelfen abzuschreiben bzw. aus KZL maschinenunterstützt zu übernehmen und diese sowohl ins Ediakt-Paket zu integrieren als auch im Archivinformationssystem AUGIAS für Recherchen nutzbar zu machen.

Die vielleicht weitreichendste und nachhaltigste Entscheidung wurde im Einvernehmen zwischen Landesarchiv, Abteilung IT (‚Rechenzentrum‘), Präsidium und Landeshauptmann Dr. Pühringer als politischem Referenten getroffen und betraf die Speicherung der im Projekt entstehenden Daten. Das Landesarchiv hat mangels finanzierbarer Alternativen seit 2005 im eigenen Haus Speicherkapazitäten von rund 150 Terabyte aufgebaut, mit deren Betrieb und Sicherung in letzter Zeit die personellen Kapazitäten bereits überlastet waren. Erste Hochrechnungen im Zuge der Mikrofilmdigitalisierung ergaben nun, dass mit etwa einer Verdoppelung dieser Kapazität gerechnet werden müsse. Glücklicherweise stehen derzeit auch in der Abteilung IT technische Veränderungen an, die es ermöglichen, dem Landesarchiv ab 2015 sicheren Speicherplatz in dieser Größenordnung zu vertretbaren Konditionen anzubieten. Durch dieses Arrangement ist nicht nur eines der ‚ewigen‘ Probleme großer Digitalisierungsprojekte professionell und zukunftssicher gelöst, sondern voraussichtlich auch das quantitative Fundament für das künftige Landes-Digitalarchiv gelegt.

 

Bereitstellungsfragen

Die bisher beschriebenen Maßnahmen und Vorgänge finden bzw. werden alle im laufenden Betrieb des Verwaltungsarchives stattfinden. Das erfordert auch eine genaue Planung für die Bereitstellung der digitalisierten Akten.

Aus der Tatsache, dass es sich fast durchwegs um Akten handelt, die noch der dreißigjährigen Sperrfrist unterliegen, ergibt sich für das Archiv die Notwendigkeit einer Berechtigungsprüfung bei jeder Anforderung. Gegen eine – auf den ersten Blick naheliegende – Automationsunterstützung durch Anbindung an Active Directory3 sprechen derzeit nicht nur technische, sondern auch rechtliche Argumente: Um die verantwortliche Zustimmung des Archivs zur Bereitstellung tatsächlich wahrzunehmen, ist – nach unserem derzeitigen Informationsstand – zumindest ein manueller und nachvollziehbarer ‚Freigabeklick‘ erforderlich. Wenn dieser schon erfolgen muss, kann auch wie bisher – zumindest vorerst – die Berechtigungsprüfung mit dem bewährten Erfahrungswissen der Verwaltungsarchivar/innen durchgeführt werden, denn nicht jede jahrzehntelang bewährte Vorgangsweise muss sofort durch automatisierte Vorgänge ersetzt werden.

Als Bereitstellungsformat wird wieder Ediakt dienen. Da in diesen Datenpaketen ausschließlich PDF-Dokumente enthalten sind, ist auch längerfristige Lesbarkeit gewährleistet. Die Übermittlung erfolgt vorerst entweder per Email oder bei größeren Datenmengen über einen amtsinternen Upload mit speziellen Sicherheitsmechanismen bzw. -workflows. Wegen zu geringer Kapazitätsgrenzen werden aber Alternativen gesucht.

 

Zusammenfassung

Es ist noch zu bald, von einem fertig ‚aufgesetzten‘ oder laufenden Projekt zu sprechen, aber die meisten Hürden scheinen schon hinter uns zu liegen. Um größtmögliche Transparenz für alle betroffenen oder interessierten Stellen zu bieten, wird monatlich der aktuelle Stand auf der Homepage des Landesarchivs veröffentlicht (Über uns > laufende Projekte > Aktendigitalisierung). Zudem werden alle relevanten Entscheidungen samt Begründung durch Aktenvermerke dokumentiert.

Die vielen neuen technischen und organisatorischen Herausforderungen erwiesen sich als weitaus komplexer als anfangs angenommen, außerdem wurde die Gesamtaufgabe durch die Erweiterung um Aktenrekonstruktion und Metadaten stark ausgeweitet. Andererseits waren die anfänglichen Mengenschätzungen offenbar zu hoch bzw. zu pessimistisch, auch der Zeitfaktor dürfte weniger kritisch als angenommen sein.

Erschwert wird die Situation durch den Umstand, dass das Archivinformationssystem AUGIAS derzeit in der Implementierungs- und Befüllungsphase steckt, was ebenfalls viel Planungs- und Konvertierungsarbeit erfordert. Diese kann auch nicht verschoben werden, weil ein funktionierendes Archivinformationssystem Voraussetzung für die Verwaltung der digitalisierten Akten ist. Dazu kommt die unmittelbar bevorstehende Archivierung elektronischer Akten.

Es wird sich wohl erst in einigen Jahren herausstellen, wie zweckmäßig und erfolgreich unsere derzeitigen Maßnahmen sind. Im Interesse der Landesverwaltung und Landesgeschichte hoffen wir, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

 

AUGIAS

(Josef Goldberger)

2012 wurde im Oö. Landesarchiv damit begonnen, das Archivinformationssystem AUGIAS mit Leben zu erfüllen. Das bedeutete zunächst eine theoretische Auseinandersetzung mit der diesem System zu Grunde liegenden Verzeichnungsnorm ISAD (international standard of archival description) sowie einen intensiven, von Einzelfällen immer wieder entfachten Diskussionsprozess über die Möglichkeiten (und deren Grenzen), gewachsene Archiv- und Verzeichnungsstrukturen auf den Kopf zu stellen. Auch die Erstellung einer Tektonik- Datenbank, die wirklich alle im Oö. Landesarchiv vorhandenen Bestände umfasst, wurde in diesem Zusammenhang notwendig.

AUGIAS enthält neben dem Verzeichnungsmodul auch eine Magazin- und Benutzerverwaltung sowie ein eigenes Recherchemodul für das Internet.

Bislang wurde nur am Verzeichnungsmodul gearbeitet. Neben der direkten Eingabe von (meist) Word-Verzeichnissen in die AUGIAS-Formulare wurden auch bereits vorhandene, strukturierte Verzeichnisse (Datenbanken oder Excel-Tabellen) in das Archivinformationssystem importiert. Die Fortschritte waren beachtlich. Bis Sommer 2014 waren 160 Bestände (von insgesamt etwa 1000) mit 35.000 Verzeichnungseinheiten in AUGIAS überführt worden, also etwa 15 % der Gesamtüberlieferung des Archivs. Diese 160 Bestände sind nach quantitativen Gesichtspunkten durchaus repräsentativ. Es sind also nicht nur „kleine“ oder nur „große“ Bestände in AUGIAS, sondern eine Mischung.

Bis Sommer 2014 wurde viel Arbeit in Qualitätskontrolle, Anpassung der Formulare und die Konsolidierung der vorhandenen Verzeichnisse investiert; es wurden unzählige Diskussionen über „Repräsentationenverwaltung“ und „Systematik“ als Erweiterungen der Verzeichnungswerkzeuge in AUGIAS geführt. Doch dann kam das Essigsäure-Syndrom, das beinahe alle zur Verfügung stehenden Ressourcen bindet und das Projekt AUGIAS mehr oder weniger ruhend stellte.

Nun gilt es, AUGIAS unter den geänderten Umständen zumindest in bescheidener Form weiterzuführen. Dies garantiert allein schon der Umstand, dass die Mikrofilm-Digitalisierung und die folgende Rekonstruktion der Einzelakten neue (theoretische) Herausforderungen für AUGIAS mit sich bringen: so etwa Überlegungen zur Verknüpfung dieser rekonstruierten Einzelakten über die Aktenzahlen mit Metadaten aus dem Kanzleisystem (KZL) bzw. aus ebenfalls zu digitalisierenden und in AUGIAS einzubringenden  Originalfindbehelfen.

Zu entscheiden wird in den nächsten Monaten auch sein, ob es sinnvoll wäre, das Recherchemodul (Findbuch im Internet) schon mit Teilbereichen in Betrieb zu nehmen, etwa mit der Tektonikgruppe „Sammlungen und Nachlässe“, und in den nächsten Jahren mit weiteren Bestandsgruppen zu folgen. Die AUGIAS-Module Magazinverwaltung und Benutzerverwaltung scheinen unter den widrigen Bedingungen allerdings in relativ weite Ferne gerückt.

 

Befreit und besetzt. Oberösterreich 1945 bis 1955

(Peter März)

Die Ausstellung „Befreit und besetzt. Oberösterreich 1945 bis 1955“ im Schlossmuseum Linz (25. Februar bis 8. November 2015) behandelt einzelne Kapitel der unmittelbaren Nachkriegszeit und setzt sich mit der Situation der Bevölkerung in dieser Periode auseinander. Sie basiert auf einer Kooperation zwischen dem Oberösterreichischen Landesarchiv und dem Oberösterreichischen Landesmuseum.

Das Konzept sieht vor, nicht mit einer fiktiven ‚Stunde Null‘ zu beginnen, sondern auch die entscheidenden Monate vor Kriegsende miteinzubeziehen. Zentrale Aspekte sind die Befreiung von der NS-Diktatur, die Lebensbedingungen in einem teilweise zerstörten Land, die Situation der zahlreichen Displaced Persons (versetzte Personen), der Wiederaufbau und der wirtschaftliche Aufschwung, die Spaltung des Landes in zwei Besatzungszonen, die Entnazifizierung sowie der Umgang mit den Opfern des NS-Regimes. Diese Themen sollen dabei in die zeithistorischen Bedingungen eingebettet werden, die Kontinuitäten und Brüche sollen klar zur Sprache kommen.

Diese konzeptuellen Forderungen bedeuteten eine Herausforderung bei der mehrmonatigen Suche nach Exponaten. Das Oberösterreichische Landesmuseum steuert aus seinen eigenen Sammlungsbeständen zahlreiche Objekte bei. Hinzu kommen rund 30 Leihgeber/innen, die mit Uniformen, Motorrädern, handgefertigtem Spielzeug über Bombensplitter bis hin zu Foto- und Filmmaterial zur Lebendigkeit und Vielschichtigkeit der Ausstellung beitragen.

Primäre Quellenbasis für die Flachware (Fotos, Plakate, Postkarten…) ist das Oberösterreichische Landesarchiv. Aus dessen Plakatsammlung kommen neben den zahlreichen zeitgenössischen Wahlplakaten, die zum Teil im Original, zum Teil in digitaler Form in Vertiefungselementen gezeigt werden, auch Plakate für den langsam wieder beginnenden Tourismus sowie Dokumente zu den Themen Entnazifizierung und Umgang mit den NS-Opfern. In der Fotosammlung findet sich zu fast allen Themen der Ausstellung passendes Material: von der Spanischen Hofreitschule in ihrer Behelfsunterkunft bis zu den kriegsbedingten Zerstörungen, von der Hochwasserkatastrophe 1954 bis zu den zahlreichen Barackensiedlungen, von Dokumenten über die Besatzungszonen bis zum Wiederaufbau, von NS-Tätern bis zu Befreiungsfeiern in Mauthausen. Die Realiensammlung stellt eine ganze Reihe hervorragender Kleinobjekte, etwa Bierdeckel, Lebensmittelmarken, Identitätsausweise, Reiseerlaubnisscheine und Tourismusprospekte. Die biographische Datenbank zu Funktionären in der NS-Zeit und die beim Digitalen Oberösterreichischen Kulturatlas angesiedelte Datenbank zu KZ-Gedenkstätten in Oberösterreich (http://doris.ooe.gv.at/fachinfo/kunst_kultur/doka/), die beide in der Ausstellung abruf-bar sein werden, vervollständigen die „Leihliste“.

Nicht zuletzt dank der großzügigen Unterstützung bei der Digitalisierung der angeforderten Objekte durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesarchivs konnte die Objektliste ohne Verzögerungen ständig erweitert werden.

 

BAS Net – Archivische Kooperation über Grenzen

(Cornelia Sulzbacher)

Im Juni 2014 endete das aus Mitteln des „Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung“ mitfinanzierte Forschungsprojekt „BAS Net"4, eine Kooperation des Oö. Landesarchivs mit dem Archiv des Bistums Passau und dem Archiv der Erzdiözese Salzburg. Ziel des Oö. Landesarchivs war es, Grundlagenforschung zur Geschichte des Innviertels, das bis zum Frieden von Teschen 1779 Teil von Bayern gewesen war, zu fördern. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und im Staatsarchiv München wurden 76 Archivalieneinheiten mit Innviertelbezügen aus 13 Beständen (u. a. Auswärtige Staaten, Literalien Österreich; Auswärtige Staaten, Literalien Innviertel; Gerichtsliteralien) gescannt. Die Digitalisate werden von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns im Internet zur Verfügung gestellt werden.

Im Staatsarchiv München bearbeiteten Alexandra Risse und Elisabeth Lukas-Götz für die Innviertler Geschichte relevante Bestände (u. a. Rentmeisteramt Burghausen, Lehenprobstamt Burghausen, ...), die nunmehr der Forschung und für eine künftige Digitalisierung zur Verfügung stehen. Ihre Erkenntnisse werden ebenso wie die Arbeit von Markus Wagner zur Verwaltungsgeschichte des Innviertels von 1500 bis 1779/1816 im 24. Band der Mitteilungen des Oö. Landesarchivs publiziert.

Die Manuskripte zum „Historischen Atlas von Bayern – Teil Innviertel“ zu den Landgerichten Ried, Friedburg, Mattighofen und Pfleggericht Uttendorf (Bearbeiter: Gerhard Schwentner, Roger M. Allmannsberger) konnten fertigstellt, jenes zu den Landgerichten Braunau, Mauerkirchen und Wildshut (Bearbeiter: Anton Brandner) wesentlich vorangetrieben werden. Im Zuge der Arbeiten stellte sich heraus, dass die ursprünglich geplante Abgrenzung zwischen Friedburg, Mattighofen, Uttendorf und Braunau, Mauerkirchen, Wildshut nicht umsetzbar ist. Die genannten Land- und Pfleggerichte werden daher in einem gemeinsamen Doppelband publiziert werden.

Das Forschungsprojekt „BAS Net“ führte nicht nur zu einer wesentlichen Verbesserung der Forschungssituation zur Innviertler Geschichte, sondern auch zu einer besseren Vernetzung des Oö. Landesarchivs mit bayerischen Archiven, wie sie bisher nur zu den südböhmischen Nachbarn bestand.

 

„Hoamatland 1918-1938“

(Rudolpha Zeman)

Im Frühjahr 2011 entschloss sich das Landesarchiv, im Rahmen der Publikationsreihe „Oberösterreich 1918-1938“ einen Fotoband herauszubringen. Dabei sollte vor allem das Alltagsleben der Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher in der Zwischenkriegszeit  fotografisch dokumentiert werden.

Ziel dieses Projektes war nicht nur die Gestaltung eines Fotobandes auf Basis der Allgemeinen Fotosammlung des Landesarchivs, sondern auch die Sicherung von alten, bereits gefährdeten Fotografien. Deshalb startete das Landesarchiv gemeinsam mit dem Archiv der Stadt Linz im April 2012 eine oberösterreichweite Sammelaktion für Alltagsfotos aus den Jahren 1914 bis 1938. Von Privatpersonen wurden mehr als 900 Fotos als Scan oder Original zur Verfügung gestellt, nach und nach in die Fotosammlung integriert und somit der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Als reichhaltige Quellen erwiesen sich auch private Fotosammlungen und jene der oberösterreichischen Gemeinden.

Das Projekt Fotoband erwies sich als wesentlich umfangreicher und zeitaufwändiger als erwartet. Das ursprüngliche externe Projektteam scheiterte nach mehreren Monaten an den vielen „Nebentätigkeiten“ wie Einholen von Abdruckgenehmigungen, Eruieren von Urheberrechten, Überprüfen von Zeitangaben und historischen Quellen etc., die bei einem solchen Projekt anfallen.

Im Sommer 2014 übernahm schließlich die Sammlungsleiterin des Oö. Landesarchivs gemeinsam mit dem Grafikteam schreuerdesign die Auswahl aus den über 1.000 in Frage kommenden Fotos und ihre thematische Zuordnung. Leider musste auf manches aussagekräftige und interessante Bild aufgrund von Qualitäts- oder Platzmangel verzichtet werden. Gemeinsam mit Historiker/innen des Oö. Landesarchivs wurden unter Berücksichtigung der von den Fotobesitzern eingeschickten authentischen Bildinformationen kurze dokumentarische Texte zu den einzelnen Fotos verfasst. Als sehr mühevoller Arbeitsschritt erwies sich schließlich noch das Einholen der Abdruckgenehmigungen und druckfähigen Scans.

Im November 2014 konnten endlich die fertigen Druckvorlagen mit ca. 680 vom Grafikteam sorgfältig einzeln bearbeiteten Fotos der Druckerei übergeben werden. Am 18. Dezember 2014 wurde der Fotoband „Hoamatland 1918-1938“ im Landhaus von Landeshauptmann Dr. Pühringer im Beisein vieler Fotospenderinnen und -spender der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Baumaßnahmen

(Anna König)

Nach gefühlt endlos langer Bauzeit konnten im Vorjahr wesentliche Erneuerungsvorhaben in unserem Haus abgeschlossen werden. Neben dem  laufenden Betrieb waren die Arbeiten manchmal durchaus eine Nervenprobe, die aber beide Seiten ohne größere Probleme bestanden.

Schon im Juli 2012 hatten die ersten konkreten Planungen mit den ausführenden Firmen begonnen. Am 14. und 15. Dezember 2012  erfolgten Aufstellung und Umschluss des neuen E-Hauptverteilers. Anschließend wurden in mehreren Bauetappen die Montage der Sicherheitsbeleuchtungszentrale (Notbeleuchtung), der Brandmeldezentrale (Brandmeldeanlage, Rauchmelder) und des Elektro-Steigschachtes sowie die Errichtung des EDV-Gebäudeverteilers, die Gesamterneuerung der EDV-Verkabelung und die Umstellung auf IP-Telefonie  durch die EBG Haustechnik, teilweise in Zusammenarbeit mit Siemens, durchgeführt.

Im Sommer 2014 kam es noch zur lange gewünschten Adaptierung des Foyers. Der Ersatz der Holzdecke durch eine abgehängte Gipsdecke, Entfernung der Holzverkleidung der Wände, besonders auch der Austausch der beiden Eingangsportale, Anpassungen der Alarmsicherung und Erneuerung der Beleuchtung bewirken jetzt einen nicht nur hellen und einladenderen, sondern auch barrierefreien Eingangsbereich und einen wesentlich besseren Gesamteindruck unseres Gebäudes.

 

Auslagerungen

(Willibald Mayrhofer)

Im Berichtsjahr 2014 wurden die restlichen Archivteile der Salinenarchive und Verwesämter in das Außendepot Lambach verlagert. Es handelt bei diesen Teilbeständen um:

Weiters wurden die handschriftlich geführten (Neuen) Grundbücher der Gerichtsbezirke Enns, Grein, Haag, Lambach, Mondsee, Perg, Pregarten und Wels in das Außendepot verlagert.

 

DOGA-Mobile – der Digitale oberösterreichischer Geschichtsatlas als App

(Norbert Kriechbaum)

Der seit dem Jahr 2009 im Internet zur Verfügung stehende DOGA, der erstmals topographische Einblicke in die Geschichte Oberösterreichs bot, erfuhr 2014 eine zusätzliche Innovation. Mittels einer kostenlosen App, die allen Interessierten zur Verfügung steht, können im DOGA zur Verfügung stehende Informationen (Burgen und Schlösser, Historische Landkarten, Gemeinden und Politiker/innen seit 1850, Gedenkstätten für KZ-Opfer, Notgeld, Wahlergebnisse 1918-1932)  nunmehr auch über Tablet und Smartphone abgefragt werden.

Eine Recherche kann entweder über die Oberösterreich-Karte oder nach inhaltlichen Kategorien, Bezirken, Gemeinden oder einzelnen Kulturobjekten erfolgen.

 

1 Kurzbeschreibung aus: Meinel, Christoph: Schadensbilder und Schadensmanagement bei audiovisuellen Datenträgern (Bamberg 2007)

2 EDIAKT beschreibt in Österreich das Format für die Kommunikation zwischen zwei Stellen (Behörde, Gerichtshof, öffentliche Verwaltungseinrichtung, Unternehmen, Bürger, etc.) mittels elektronischer Akten, Geschäftsfällen und Geschäftsstücken inkl. Dokumenten. Für die Einsicht steht ein lizenzfreier Viewer zur Verfügung.

3 Windows-Verzeichnisdienst, in diesem Fall aller Landesmitarbeiter/innen und ihrer Dienststelle

4 Nähere Informationen zum Projekt siehe Jahresbericht 2012

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Bestandsübernahmen

Landesfrauenklinik Wels

(Willibald Mayrhofer)

Im November 2014 erfolgte seitens der Oö. Gesundheits- und Spitals-AG (gespag) eine Schenkung von ca. fünf Laufmetern Archivalien der ehemaligen Landesfrauenklinik Wels. Der größte Teil dieses Bestandes umfasst die Aufnahmeprotokolle der geburtshilflichen und gynäkologischen Abteilung aus den Jahren 1923 bis 1938 und 1976 bis 1997. Weiters umfasst der Bestand eine fünfbändige Chronik über die Anstalt von 1903 bis 1985. Ein Index über die Personalaufnahmen von 1923 bis 1988 bietet einen guten Überblick über die Fluktuation des Krankenhauspersonals. Abgerundet wird der Bestand durch Korrespondenzen, Verträge und sonstigen Schriftverkehr der internen Verwaltung des 20. Jahrhunderts.

Gerichtsakten Kreisgericht Ried im Innkreis

(Willibald Mayrhofer)

Das Stadtarchiv Ried im Innkreis überließ dem Landesarchiv im November letzten Jahres 40 Aktenbände Gerichtsakten des Kreisgerichtes Ried aus dem 19. Jahrhundert als Schenkung. Dieser Aktenbestand, der bereits im Jahre 1936 vom Kreisgericht Ried in das Oö. Landesarchiv zur dauernden Aufbewahrung gelangen hätte sollen, war wegen Platzmangels in Linz im Archiv der Stadtgemeinde Ried ‚zwischen‘gelagert.

Im Berichtsjahr erfolgte ferner eine Besichtigung der Gemeinderegistraturen von Lengau und Kefermarkt nebst Beratung für den Aufbau eines Gemeindearchives. Die Ordnungsarbeiten bei der Marktgemeinde Kefermarkt wurden von Dr. Gerhard Zeillinger begonnen.

 

Verzeichnung

Nachlass Erich Wiesmeyer

(Norbert Kriechbaum)

Im März 2014 verkaufte Frau Gertrude Wiesmeyer, Witwe nach Dr. Erich Wiesmeyer, dem Landesarchiv 17 sogenannte „Kriegstagebücher“ sowie ein Heft und eine Mappe zum Thema Luftkrieg, die von Ihrem verstorbenen Gatten angelegt worden waren.

Dr. Erich Wiesmeyer, geboren am 15. Mai 1925, war promovierter Jurist und nach seinem Gerichtsjahr am Landesgericht Linz bei verschiedenen Versicherungen, zuletzt bis 1986 bei der Linzer Niederlassung der „Wiener Städtischen Versicherung“, tätig.

Beim ersten Kriegstagebuch (vom Verfasser als „1.“ und „2.“ bezeichnet) handelt es sich um einen Vordruck der Reichsverwaltung des NS- Lehrerbundes-Schülerzeitschrift „Hilf mit“, in dessen Vorwort Jungen und Mädchen aufgefordert werden, Tagebuch über Kriegserlebnisse in ihrem Umfeld zu führen. Die Aufzeichnungen Wiesmeyers sprengen diese Vorgabe aber bei weitem und enthalten – besonders in den letzten Bänden – minutiöse Angaben zu Luftangriffen auf österreichische und süddeutsche Ziele, die in ihrer Detailliertheit für private Aufzeichnungen außergewöhnlich sind.

Die Mappe enthält aus Zeitungen ausgeschnittene Bilder von bei Luftangriffen eingesetzten alliierten Flugzeugen, von Wiesmeyer angefertigte Fotos von Flugzeugen am Fliegerhorst Hörsching und von Bombenschäden in Linz, Steyr und Wels. Im Heft findet sich eine nach Städten gegliederte Aufstellung von Einflügen und Angriffen der britischen und amerikanischen Luftwaffe in das Reichsgebiet.

Der Bestand hat einen Umfang von drei Schachteln und ist durch ein PDF-Verzeichnis erschlossen.

 

Firmenarchiv Eisenhandlung Eysn

(Josef Weichenberger)

Die von Frau Antonia Zimmermann (Freistadt) dem Landesarchiv übergebenen  Firmenunterlagen der Eisenhandlung Eysn wurden 2014 von Herrn Dr. Christoph Stöttinge (Lambach) geordnet und verzeichnet.

Hervorzuheben sind Geschäftsunterlagen ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ein Produktverzeichnis der verschiedenen Schmieden von 1848, alte Warenprospekte (u. a. Gusseisenöfen, Beschläge), Einkommenssteuererklärungen von 1926 bis 1941, Bilanzen von 1942 bis 1949 und 1979 bis 1981 sowie ein Speditionsbuch aus den Jahren 1864 bis 1869.  Auch Unterlagen zur Familienforschung Eys(e)n und handgeschriebene Notenblätter sind enthalten.

Der Bestand umfasst fünf Schachteln und 21 Handschriften aus der Zeit von 1802 bis 1982.

 

US-Besatzungsakten

(Markus Weiglein)

Bis Herbst 2014 konnte die Erschließung der US-Besatzungsakten (NARA) auf Basis einer bestehenden Datenbankstruktur vorangetrieben werden. Es handelt sich um die Mikrofilme Nr. 84-92 bzw. 251-279. Jeder einzeln erzeugte Datensatz in der Datenbank beginnt mit einer kurzen Einordnung in die Thematik, ehe Details der Mikrofilm-Seiten beschrieben und inhaltliche Auffälligkeiten hervorgehoben werden. Dabei werden die genauen Lokalisierungen im Originaldokument, Verweise auf US-amerikanische Zuständigkeitsbereiche (Division, Branch etc.) wie auch zentrale Schlagwörter für eine spätere Suche festgehalten.

Im ersten Abschnitt – Mikrofilme Nr. 84-92 – dominieren standardisierte Korrespondenzschreiben der „Legal Division“ (Rechtsabteilung) bzgl. Überstellungs- und Auflieferungsfragen von Kriegsverbrechern. Neben bekannten Namen wie Ernst Kaltenbrunner, Franz von Papen, Arthur Seyss-Inquart oder Baldur von Schirach werden auch weitgehend unbekanntere Personen erwähnt. Der zweite Bereich – Mikrofilme Nr. 251-279 – inkludiert Berichte der US-amerikanischen German External Assets Branch (GEA), die den Verbleib von deutschem Auslandsvermögen protokollierte. Die Rolle diverser österreichischer Industrie- und Wirtschaftsunternehmen während des Nationalsozialismus wird hier direkt wie indirekt aufgezeigt und ein Einblick in Arisierungen und Liquidierungen von (v. a. auch jüdischem) Eigentum ermöglicht. Diese aufschlussreichen Schreiben werden in der Datenbank besonders hervorgehoben, auch Begleitschreiben zu finanziellen Statistiken und Bilanzen der Kriegs- und Nachkriegszeit, die mitunter einen Wandel in den historischen Eigentumsstrukturen offenbaren, gerade etwa im Zuge des „Anschlusses“ von 1938.

Icon - Sprung zum Seitenanfang Publikationen

14 TAGE IN OBERÖSTERREICH. 5. bis 18. Februar 1934

„Im Einvernehmen mit der Ortswehr (Heimwehr) und Bürgergarde wurde in den Unruhetagen ein verschärfter Sicherheitsdienst organisiert, der auch zur Beruhigung der ordnungsliebenden Bevölkerung, die durch den aus Steyr sehr gut hörbaren Kanonendonner und das Maschinengewehrgeknatter in sehr großer Unruhe war, führte.“

Bürgerkrieg 1934 in Amtsdeutsch: Um Linz, Steyr und Wolfsegg wird geschossen, gekämpft, es gibt zahlreiche Tote. Wie aber sah es abseits dieser Brennpunkte aus? Wie können wir uns den Alltag während des Bürgerkrieges vorstellen? Wie sah Normalität damals denn überhaupt aus? In Originaltexten aus Zeitungen und Gendarmeriechroniken mischt sich Bekanntes mit ‚Unvorstellbarem‘.

377 Seiten
ISBN 978-3-902801-14-2
Preis 16 Euro

 

OBERÖSTERREICH 1918 – 1938 I

Die Bearbeitung der Zeit zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem ‚Anschluss‘ zählt in Österreich zu den lange vernachlässigten Herausforderungen für die Geschichtswissenschaft. Das Land Oberösterreich rief 2009 ein wissenschaftliches Großprojekt zur Erforschung der Geschichte unseres Landes zwischen 1918 und 1938 ins Leben und betraute das Oö. Landesarchiv mit der Durchführung.

2014 ist der erste Sammelband mit sieben Beiträgen erschienen, die neue Erkenntnisse und Einsichten zu bisher wenig bearbeiteten Themen der politischen Entwicklung vermitteln. Die Themenpalette reicht dabei von den Anhaltelagern 1933 bis 1938 über die „Aktion Reinthaller“ hin zu den revolutionären Arbeiterwehren.

375 Seiten
ISBN 978-3-902801-16-6

 

„HOAMATLAND 1918 – 1938“

Ein Bild sagt oft mehr als 1000 Worte. Unter diesem Motto hat das Oö. Landesarchiv einen Bildband zur Zeit zwischen den beiden Weltkriegen herausgebracht. „Hoamatland 1918 – 1938“ – so lautet der Titel des Buches – soll das Interesse für die Zwischenkriegszeit und ihre Ereignisse auch außerhalb der Fachkreise wecken und Geschichte für Alt und Jung anschaulich machen.

Bilder der Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher aus einer Zeit, die den wenigsten von uns noch aus eigenem Erleben und eigener Anschauung vertraut ist. Wie lebte man im Schatten des verlorenen Weltkrieges, politischer Spannungen und Konflikte? Begleiten Sie uns auf einer fotografischen Zeitreise in die 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ...

287 Seiten
ISBN 978-3-902801-18-0

 

BOMBEN AUF OBERDONAU

Gerwin Strobl

Der Luftkrieg setzte in Oberösterreich erst 1944 ein. Dieses vergleichsweise späte Datum verlieh dem Reichsgau Oberdonau erhebliche Bedeutung im NS-Staat als ‚Ausweichquartier‘ für Industrien und bombengeschädigte Zivilisten. „Bomben auf Oberdonau“ kann als Fallstudie eindrucksvoll darlegen, wie eine 1944 noch vollkommen unbeschädigte Region binnen weniger Monate wirtschaftlich lahmgelegt wurde.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die lange ‚Vorwarnphase‘ zum Luftkrieg in Oberösterreich: Wie wurde dieser Zeitraum von Behörden und Zivilisten zur Vorsorge genutzt, welche Handlungsspielräume in der NS-Diktatur lassen sich hier erschließen?

Wesentliche Bedeutung kommt schließlich dem Themenkomplex ‚Kriegsverbrechen an notgelandeten allliierten Fliegern‘ zu. Hier kann der vorliegende Band erstmals im deutschsprachigen Raum eine umfassende Darstellung und Analyse für einen  gesamten Reichsgau liefern.

438 Seiten
ISBN 978-3-902801-15-9

 

SCHRIFTBEISPIELE. Handschriften des 15. bis 20. Jahrhunderts

Es ist nun schon lange her, dass die Kurrentschrift als offizielle Schulschrift endgültig abgeschafft wurde (Schuljahr 1941/42). Für viele Angehörige der jüngeren Generationen, die sich für Geschichtsquellen interessieren, stellt die „fremde“ Schrift oft eine schwierige Hürde dar. Immer seltener stehen im Familien- oder Bekanntenkreis geduldige und kundige ‚Lehrmeister‘ zur Verfügung.

Das Oö. Landesarchiv möchte daher mit der nunmehr schon 6. Auflage der „Schriftbeispiele“ die Möglichkeit zur Selbstschulung bieten. 56 handgeschriebene Texte aus sechs Jahrhunderten  mit zeilengleichen Transkriptionen sowie Buchstabentafeln dienen als Hilfe beim Erlernen der Kurrentschrift – denn bekanntlich macht  nur Übung den Meister.

141 Seiten
ISBN 978-3-902801-17-3


 

DAS LANDGERICHT SCHÄRDING

Gerhard Schwentner

Der Historische Atlas von Bayern – Teil Innviertel ist das Ergebnis grenzüberschreitender Zusammenarbeit zur Erforschung der gemeinsamen Vergangenheit zwischen Bayern und Oberösterreich. Der nun vorliegende erste Band umfasst die Geschichte der Herrschaftsstrukturen des Landgerichtes Schärding und eine vollständige Übersicht zu den in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts existierenden Höfen und Häusern. Jedes der 18.250 Anwesen wird mit Hofname und Quellenangaben zusätzlich von der Abteilung Geoinformation online im Digitalen Oberösterreichischen Geschichtsatlas zur Verfügung gestellt.

537 Seiten
ISBN 978-3-769665-59-8 und 978-3-902801-19-7

Icon - Sprung zum Seitenanfang Veröffentlichungen / Vorträge

 

Tagungen

Region Quellen Geschichte

(Cornelia Sulzbacher)

Die oberösterreichische Abschlusstagung zum von der Europäischen Union geförderten Forschungsprojekt „BAS Net“ fand am 13. Juni 2014 unter dem Titel „Region Quellen Geschichte“ im Oberösterreichischen Landesarchiv statt. Für den Passauischen Projektteil referierte Dr. Wurster, Direktor des Diözesanarchivs Passau, über historiographische Traditionen rund um das Kollegiatsstift Altötting und die Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau. Mag. Bürscher von der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz sprach zum Thema Bücherprovenienz als Ausgangspunkt und mögliche Zukunftsperspektive für die Personendatenbank „RES – Regesta Ecclesiastica Salisburgensia“. Die beiden Projektmitarbeiter des Oö. Landesarchivs Dr. Schwentner und Markus Wagner MA hielten schließlich noch je einen Vortrag zur Verwaltungsgeschichte von Innbaiern zwischen 1500 und 1800 und zu den Möglichkeiten der Güteridentifizierung in Quellen des 18. Jahrhunderts.

Icon - Sprung zum Seitenanfang Personalia

Bei Kollegin Brigitte Killinger wurde das Wochenstundenausmaß von 20 auf 25 Stunden mit Wirkung vom 24. 9. 2014 festgesetzt.

Kollegin Ingrid Würflinger wurde am 6. 10. 2014 dem Oö. Landesarchiv zugeteilt.

Kollegin Rudolpha Zeman trat mit 15. 12. 2014 ihre Altersteilzeit an.

Icon - Sprung zum Seitenanfang Statistik (inkl. Webzugriffe)

Lesesaal: Zahl der BenützerInnen 745
(Gesamt-)Zahl der TagesbesucherInnen 3.249
bestellte Archivalien 5.245
bestellte Archivalien + Mikrofilme 6.164
Benutzungsentgelte 4.403 Euro
Bearbeitungsentgelte 2.725 Euro
Veranstaltungsentgelte 2.385 Euro

TeilnehmerInnen an Seminaren, Führungen
und sonstigen Veranstaltungen
  200
Homepage des Oö. Landesarchivs1 Besuche 41.500
  Zugriffe ca. 200.000

Präsentationen im Internet (mit Kooperationspartnern): Urkunden2 Besuche 362
    Zugriffe 7.983
  Pfarrmatriken Zugriffe3 243.890
  Tages- und Wochenzeitungen4 Besuche 18.661
    Zugriffe 568.215
  Urmape des Franziszeischen Katasters5 Zugriffe 657.363
  OÖ. Kulturatlas6 Zugriffe 247.064
Veranstaltungen (Teilnehmerinnen)7 Kurse zur Familienforschung8 276  
  Kurs zur Hausforschung für Anfängerinnen im November9 29  
  Kurrentlesekurs für Anfängerinnen im März und November10 15  

 www.ooe-landesarchiv.at, www.landesarchiv-ooe.at 
2  www.monasterium.net
3  www.matricula-online.eu und www.familysearch.org
4  www.anno.onb.ac.at
5  www.doris.ooe.gv.at
6 www.doris.ooe.gv.at – Fachinformation − Kunst und Kultur
7 nähere Erläuterungen dazu siehe: Jahresbericht 2012, S. 21-22
8 Josef Weichenberger in Kooperation mit VHS und WIFI
9 Willibald Mayrhofer unter Assistenz von Josef Weichenberger
10 Willibald Mayrhofer unter Assistenz von Josef Weichenberger

2004-2014

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1997-2003

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1896-1996

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