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Oö. Landesarchiv

  
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Jahresbericht 2007

| Einleitung | Organisation und Bau | Projekte und Bestände | Öffentlichkeitsarbeit und Publikationen | Personalia und Statistik |

Icon - Sprung zum Seitenanfang Einleitung

Das Berichtsjahr gehört wohl zu den turbulentesten, anstrengendsten und erfolgreichsten, die das Landesarchiv seit der Übersiedlung 1971 erlebt hat. Die Hauptfaktoren dabei waren der Umbau, die Einführung des digitalen Lesesaales, die Veranstaltungsserie zu "90 Jahre Oberösterreich" und der Abschluss des Großprojektes "Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus". Jeder dieser Punkte für sich hätte - zusätzlich zum Normalbetrieb - schon für ein durchschnittlich intensives Arbeitsjahr ausgereicht. Dass aber alle gleichzeitig innerhalb eines Jahres bewältigt werden konnten, stellt eine geradezu unglaublich Leistung des gesamten Teams der MitarbeiterInnen dar.

 

Zugleich markiert dieses Jahr wohl den "point of no return" jener organisatorischen und technischen Veränderungen und Neuerungen, die vor etwa 10 Jahren allmählich und unspektakulär eingeleitet wurden. Eingebettet in gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen, gesteuert und angetrieben von der Verwaltungsreform in verschiedensten Ausprägungen und Phasen, erlebt das Landesarchiv seither eine Metamorphose zu einem modernen Dienstleistungsbetrieb mit teilweise neuen Aufgaben und Anforderungen, die sich um drei Schwerpunkte gruppieren: Outputorientierung, Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaftlichkeit. Es wäre nicht sinnvoll, hier auf Einzelheiten einzugehen, weil diese einerseits in den folgenden Berichten ohnehin an mehreren Stellen geschildert werden, andererseits aber die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen und daher noch keine zusammenfassende Darstellung möglich ist.

 

Besonders hinzuweisen ist auf die vielfachen Kooperationen und Gemeinschaftsprojekte, die uns mit zahlreichen Einrichtungen des In- und Auslandes verbinden. Ohne die Offenheit und partnerschaftliche Zusammenarbeit kämen viele der Projekte nicht zustande, da sie oft weit über die Kompetenzen und Leistungsfähigkeit einer einzelnen Spezialeinrichtung hinausgehen. All diesen Partnern sei an dieser Stelle gedankt. Wir sind überzeugt, dass die Wichtigkeit und Häufigkeit von Gemeinschaftsprojekten in Zukunft weiter zunehmen wird, und werden diese auch weiterhin suchen und fördern, wo immer es sinnvoll ist.

 

Gerhart Marckhgott

Icon - Sprung zum Seitenanfang Organisation und Bau

Umbau

Schon in den neunziger Jahren gab es die ersten Absichtserklärungen, das Landesarchiv werde zusätzlichen Büroraum erhalten, sobald das geplante Zentrale Verwaltungsgebäude verwirklicht und die im Gebäude Anzengruberstraße 21 untergebrachten Dienststellen dorthin übersiedelt seien. Diese Option wurde reaktiviert, als ab 2004 das neue Dienstleistungszentrum des Amtes der Oö. Landesregierung beim Bahnhof bezogen werden konnte und auch die in den Obergeschoßen des Nachbarhauses untergebrachte Landesforstdirektion dorthin übersiedelte. Das doppelstöckige Erdgeschoß des Gebäudes - ursprünglich Lagerhalle einer Einkaufsgenossenschaft - dient weiterhin als Kulissendepot des Landestheaters, das 3. und 4. Obergeschoß bot jedoch den dringend benötigten zusätzlichen Büroraum für das Landesarchiv.

 

Zusätzliche Nutzflächen
Die größte Herausforderung bei der Planung stellte der Niveauunterschied zwischen den Geschoßen der beiden Häuser dar. Ein Aufzug, der beide Gebäude durchgehend verbunden hätte, konnte aus Kostengründen nicht errichtet werden, doch hat sich die Ersatzlösung mit Stufen und Treppenaufzügen bisher als zweckmäßig und ausreichend erwiesen. Auch die Renovierungen mussten sich auf das Nötigste beschränken, was vor allem bei Verkabelung und Elektrik einige Abstriche bedingte. Durch Augenmaß bei Wünschen und Planung fiel und fällt diese Sparsamkeit aber kaum ins Gewicht gegenüber der erzielten Verbesserung der Gesamtsituation.

 

Funktionstrennung
Von vornherein bestand die Absicht, Funktionsbereiche mit wenig Publikumsverkehr in die neuen, vom Hauptstiegenhaus und Aufzug entfernteren Räume zu übersiedeln: den Verwaltungsbereich mit Direktion, Verwaltung/Buchhaltung und Bibliotheksverwaltung, dann IT, Sonderarbeits-, Aufenthalts- und Reproduktionsräume. Dadurch wurden im "Altbau" genug Kapazitäten frei, um die publikumsbezogenen Funktionsbereiche neu zu ordnen: Garderoben, Pausen- und Veranstaltungsraum sind nun im im 1. Obergeschoß zusammengefasst, sodass die oberen Stockwerke von Veranstaltungen nicht betroffen sind bzw. dafür nicht benötigt werden. Das 2. OG ist ausschließlich dem Benutzerservice gewidmet (Lesesaal), im 3. und 4. OG blieben die Büros der BearbeiterInnen und die - wegen der schweren Maschinen - kaum zu übersiedelnde Restaurierwerkstätte.

 

Lesesaal neu
"output-Orientierung" und "Kundenorientierung" sind durch die Verwaltungsreformen auch für das Landesarchiv zu zentralen Begriffen geworden. Um diesen neuen Ansprüchen sowohl des Dienstgebers als auch vieler Kundinnen und Kunden gerecht zu werden, waren die Adaptierung und Modernisierung der Lesesäle und des Serviceangebotes notwendig. Durch die Zusammenlegung aller Benutzungsräume auf eine Ebene und die Gestaltung eines gemeinsamen Empfangsbereiches konnten und können nun die zentralen Abläufe (Auskunft und Registrierung, Bestellung, Benutzung, Rückgabe, Reproduktion) für die BenutzerInnen wesentlich komfortabler und effektiver gestaltet werden. Nicht zu unterschätzen ist die enorme Belastung für die MitarbeiterInnen, die durch so tiefgreifende Veränderungen in eingespielten Routinen entstehen: Teamgeist, Einsatzbereitschaft und Flexibilität haben die Bewältigung der zahllosen Anfangsschwierigkeiten ermöglicht.


Information
Der neue Empfangsbereich, die "Information", ist als Single-point-of-access konzipiert. Die große Glastüre baut Schwellenangst ab und macht Hinweisschilder überflüssig. BesucherInnen sehen gleich, wo sie Auskunft erhalten, und können zentral registriert werden. Allerdings haben die Erfahrungen der ersten Monate gezeigt, dass die Anforderungen an den Informationsdienst wesentlich stärker gestiegen sind als vorhergesehen. Die Integration verschiedener EDV-gestützter, neuer Serviceleistungen bietet zwar enorme Verbesserungen für KundInnen und MitarbeiterInnen, konnte aber wegen der hohen Komplexität und der beschränkten Ressourcen nicht in der wünschenswerten Perfektion bewältigt werden. Vor allem für die MitarbeiterInnen galt es - und gilt immer noch -, sich nach der Decke zu strecken und durch laufende, interaktive Verbesserungsschritte organisatorischer, technischer und personeller Natur vielfältige Schwierigkeiten zu überwinden.

 

Entscheidung für Digitalen Lesesaal
Schon seit den neunziger Jahren war zu erkennen, dass die Mikroverfilmung zentraler Bestände des Landesarchivs zwar dem Erhaltungszustand der Originale sehr zuträglich - und unter diesem Aspekt äußerst erfolgreich - war, den Bereitstellungs- und Serviceaufwand jedoch kaum verringern konnte. Immer noch mussten die Filme von MitarbeiterInnen ausgegeben und zurückgestellt werden, die Anfertigung von Reproduktionen gestaltete sich sogar wesentlich aufwändiger als das herkömmliche Kopieren. Dazu kam, dass die Lesegeräte für Mikrofilme wegen der hohen mechanischen Belastung schneller ausfielen, ihre Reparatur oder Nachbeschaffung aber wegen der weltweit sinkenden Nachfrage immer teurer und schwieriger wurde. Am Beispiel der Pfarrmatriken schließlich wurde das datenschutzrechtliche Problem deutlich, dass die Bereitstellung per Mikrofilm jede Differenzierung zwischen freien und geschützten Informationen unmöglich macht: ein Film kann nur als Ganzes eingesehen werden. Die Summe dieser Schwierigkeiten auf der einen, der rasante IT-technische Fortschritt und Preisverfall auf der anderen Seite gaben schließlich den Ausschlag, das Wagnis der Verwirklichung eines Digitalen Lesesaales einzugehen. Die vielfältigen Herausforderungen und Probleme, die diese Entscheidung mit sich brachte, werden an erschiedenen Stellen in diesem Jahresbericht deutlich. Dennoch überwiegen die Anzeichen, dass dieser "Sprung ins Ungewisse" nicht nur richtig war, sondern auch im Wesentlichen bereits gelungen ist.


Digitale Reproduktionen
Seit Kopierer zur Standardausrüstung des Archivs gehören, nahmen die dadurch verursachten Schäden an den Archivalien dramatisch zu. Umfangreiche Kopierverbote und hohe "Schutzpreise" für Kopien waren die Folge. Der Ausweg, die am meisten benutzten Bestände auf Mikrofilm bereitzustellen, machte die Reproduktionsvorgänge zwar ungefährlich, aber dafür enorm personalintensiv, und konnte daher ebenfalls keine nachhaltige Lösung sein. Die Entwicklung benutzerfreundlicher Aufsicht-Scanner mit ebensolcher Software macht nun berührungsloses "Kopieren" der Originale möglich. Es werden daher seit der Wiedereröffnung des Lesesaales keine konventionellen Kopien mehr angeboten. Solange nicht neue, nicht vorhersehbare Probleme auftauchen, können alle bisherigen, durch Archivalienschutz bedingten Einschränkungen und Verbote aufgehoben werden. Weil nun wieder die BenutzerInnen selbst die Reproduktionen herstellen können / dürfen, konnten auch die Preise für solche "Kopien" wieder radikal gesenkt werden. Von Kinderkrankheiten der Hard- und Software abgesehen, sind bisher die Erfahrungen für beide Seiten sehr positiv.

 

Veranstaltungsraum
(Gerhard Steininger)

Neben dem neuen Lesesaal gibt es im Landesarchiv - erstmals seit Jahrzehnten - nun auch wieder einen Vortrags- und Veranstaltungssaal. Der neue Saal bietet auf gut 90 Quadratmetern Platz für ca. 60 bis 70 Sitzplätze. Somit ist es wieder möglich, öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie Buchpräsentationen oder Vorträge direkt im Haus zu veranstalten, statt in andere Objekte ausweichen zu müssen. Aber auch für Weiterbildungsveranstaltungen oder gesellige Zusammenkünfte eignet sich der neue, optisch ansprechende Saal bestens, wie auch zahlreiche positive Rückmeldungen von Gästen beweisen. Ein fix montierter, lichtstarker Beamer sowie eine kleine Küche im Nebenraum runden das Angebot ab und trugen schon wesentlich zum Gelingen diverser Veranstaltungen bei.
Im Vorjahr fand bereits eine Reihe von Veranstaltungen im neuen Saal statt, darunter am 7. Mai die Eröffnung des neu gestalteten Benutzerbereichs des Landesarchivs durch Landeshauptmann Josef Pühringer und die Präsentationen der Bücher "Studien zu den Traditionsbücher des Kloster Garsten", "Tötungsanstalt Hartheim" und des Bandes 21 der "Mitteilungen des Oö. Landesarchivs". Außerdem fanden im Rahmen des Weiterbildungsprogramms 2008 des Landesarchivs zahlreiche Kurse statt, etwa zur Haus- und Familienforschung. Dabei waren vor allem die Ahnenforscherkurse so begehrt, dass zusätzlich zu den drei geplanten Terminen mehrere Ersatztermine eingeschoben werden mussten, um den Andrang der Interessenten bewältigen zu können.
Dass sich der neue Veranstaltungssaal auch für gesellige Veranstaltungen bestens eignet, haben der Event "Junger Wein und alte Schriften" für Gäste aus den Bereichen Medien und Kultur am 2. September und die hausinterne Weihnachtsfeier im Dezember gezeigt.


Neues Design

Die bauliche Erweiterung und Modernisierung wurde zum Anlass genommen, das - unverkennbar - in den achtziger Jahren entwickelte Corporate Design des Oö. Landesarchivs professionell neu gestalten zu lassen, wobei das noch etwas ältere Logo, eingeführt vor allem für die Verlagsprodukte, zu erhalten war. Aus drei sehr unterschiedlichen Entwürfen wurde durch Abstimmung aller MitarbeiterInnen das nunmehr verwendete, neue "Leitmotiv" ausgewählt. Die dominierenden orange-braunen Farbtöne vermitteln jene Wärme und Faszination der Materie Geschichte, die im Ausgleich zur Professionalisierung und Technisierung der Arbeitsmethoden betont und auch Außenstehenden vermittelt werden soll. Folder, Notizblöcke, Mappen, Tragtaschen, CD-Labels und ein Grunddesign für Plakate und Briefe werden in den nächsten Jahren dieses neue Design in die Öffentlichkeit tragen.

 

Produktkatalog neu
(Anna König)

Anlass für die Überarbeitung des 2007 eingeführten Produktkataloges waren einige offensichtliche Schwächen des ersten Entwurfes, vor allem aber eine etwas andere Sichtweise, die sich durch die Verwaltungsreform im Amt der Landesregierung nun auch im Landesarchiv auswirkte: Outputorientierung. In einem neuerlichen, intensiven Diskussionsprozess wurden die Leistungen und Produkte des Landesarchivs kritisch hinterfragt und die Arbeitschritte definiert, die zu ihrer Erreichung notwendig sind. Neben dem Steuerungsaspekt wurde bei der Bildung der neuen Produkte besonders darauf geachtet, dass sich sämtliche outputrelevanten Tätigkeiten der Mitarbeiter/innen wiederfinden. Die Definitionen und Beschreibungen der Produkte berücksichtigen auch stark die bisherigen Erfahrungen der MitarbeiterInnen in der praktischen Handhabung der Leistungserfassung.
Im neuen Produktkatalog werden die Dienstleistungen in die Produktgruppen "Archiv" und "Wissenschaftliche Einrichtung" eingeteilt. Erstere umfasst die Produkte "Übernehmen", "Aufbereiten", "Langzeitarchivieren" und "Bereitstellen" mit insgesamt 10 Teilprodukten, letztere die Produkte "Wissensaufbereitung", und "Wissensvermittlung" mit insgesamt 9 Teilprodukten. Zusätzlich wurden die Leistungsmengenkennzahlen angepasst, wobei auch hier der Steuerungsaspekt im Vordergrund stand, weitere wichtige Kriterien waren vor allem Zählbarkeit, Vergleichbarkeit und Sinnhaftigkeit. Allerdings dürften hier noch praxisorientierte weitere Anpassungen notwendig werden (s. a. unten Vorbemerkung zur Statistik).

Icon - Sprung zum Seitenanfang Projekte und Bestände

Digitalisierung
(Peter Zauner)


Digitalisierungsstrategie
So wie im Jahr zuvor lag der Schwerpunkt auch 2008 in der Produktion von Digitalisaten. Die Fortführung von groß angelegten laufenden Projekten brachte einen Datenzuwachs von mehreren Terabyte, sodass nun das gesamte Speichervolumen im lokalen Netzwerk des Oö. Landesarchivs auf einen zweistelligen Terabyte-Betrag angewachsen ist. Zur Anpassung an diese Erfordernisse wurde das Serversystem um einen weiteren Netzwerkspeicher als Network attached Storage mit einem Fassungsvermögen von 17 TB erweitert. Wegen der rasanten Vermehrung der Daten wurde deren Integration in das entsprechende lokale Netzwerk vorrangig betrieben. Die in der längerfristig zu sehenden Digitalisierungsstrategie geplanten Sicherungsmaßnahmen sind daher zurückgestellt worden. Ein Teil der vorhandenen Digitalisate ist seit Mai 2008 auch den Benutzern und Benutzerinnen im Lesesaal des Oö. Landesarchivs zugänglich. Im Zuge des Umbaus wurden nämlich acht elektronische Arbeitsplätze eingerichtet, sodass die Pfarrmatriken-Duplikate sowie Teile des Alten Grundbuches digital eingesehen werden können. Am weiteren Ausbau wird intensiv gearbeitet. Noch im ersten Quartal 2009 soll die Zahl der Benutzer-PC wegen des großen Andrangs auf 16 verdoppelt werden, und auch die bereitgestellten digitalen Daten werden laufend vermehrt.


Massendigitalisierung
Die Massendigitalisierung wurde konsequent weitergeführt. Bei den oberösterreichischen Tageszeitungen wurden im Berichtsjahr die Linzer Tagespost von ca. 1870 bis 1917 sowie Ergänzungen zum Linzer Volksblatt zwischen 1874 und 1886 digitalisiert, für die das Archiv der Stadt Linz die Vorlagen zur Verfügung stellte. Beim "Alten Grundbuch" wurden die Grundbücher der Bezirksgerichte Kirchdorf bis Peuerbach sowie Haag und Wels vom Mikrofilm digitalisiert. Ein größeres Projekt stellte die Digitalisierung und Erschließung der historischen Ansichtskartensammlung des Stiftes St. Florian dar. In einer ungewöhnlichen Kooperation fanden sich außer dem Stift und dem Landesarchiv auch die DORIS-Gruppe der Abteilung GeoL (Landesbaudirektion) sowie die Oö. Landesmuseen zusammen. Das Oö. Landesarchiv brachte sein Know-how in der Fotodigitalisierung und der Erschließung ein, auch die Digitalisierung selbst wurde vom Landesarchiv organisiert.  Um die Bearbeitung des Bestandes "Marktarchiv Altheim" vor Ort zu ermöglichen, ohne die Gemeinde mit den Vorkehrungen für die sachgerechte Aufbewahrung der Originale zu belasten, wurde in einem Pilotprojekt von Herbst 2007 bis Oktober 2008 der gesamte Bestand im Landesarchiv digitalisiert. Insgesamt wurden fast 19 000 Scans mit einem Datenvolumen von knapp 60 GB angefertigt. Die Erfahrungen sowohl technischer als auch organisatorischer Natur werden ähnlichen Projekten mittlerer Größenordnung zugute kommen.  Für das Oö. Landesmuseum wurde dessen Schriftverkehr während der NS-Zeit im Ausmaß von ca. 16 000 Images eingescannt (ca. 15 GB).    


Netzwerk
Für die sichere Speicherung und Bereitstellung der riesigen Digitalisatmengen wurde ein eigenes lokales Netzwerk aufgebaut. Ausgangspunkt und Kernstück waren Ende 2006 ein Server und ein Netzwerkspeicher mit einem Netto-Speichervolumen von 6,5 TB, seither wurde jedes Jahr ein weiterer Netzwerkspeicher angeschafft und in das bestehende System integriert. Insgesamt beträgt die Speicherkapazität nunmehr ca. 37 TB. Von diesem ständig wachsenden Speichersystem, das in einem klimatisierten Raum im Keller des Landesarchivs untergebracht ist, führen leistungsstarke Datenleitungen in den Lesesaal im
2. Stock, wo beim Start im Mai 2008 acht Arbeitsplätze den Zugriff ermöglichten. Der weitere Ausbau ist im Gange.

 

ULA
Im Zuge der Planung des "Digitalen Lesesaales" fiel im Sommer 2007 die Entscheidung, eine eigene Applikation (Projektname ULA: Ultimative Lesesaal-Applikation) für die Bereitstellung der digitalisierten Archivalien entwickeln zu lassen. Nach der Festlegung und Beschreibung der gewünschten Funktionalitäten erfolgte die Programmierung im Rahmen eines Werkvertrages. Im Mai 2008 war die Startversion fertig. Trotz umfangreicher Tests führten die Datenmengen im Echtbetrieb zu unerwarteten, Anwender und Entwickler gleichermaßen stressenden Schwierigkeiten, die in mühevoller Detailarbeit eliminiert werden mussten. Auch die "Befüllung" mit den Millionen Aufnahmen sprengte alle bisherigen Erfahrungen und zeitlichen Maßstäbe. Seit Ende November 2008 ist das System in Echtbetrieb. Derzeit sind die Matriken-Duplikate der katholischen oberösterreichischen Pfarren für die Jahre 1819 bis 1907 zur Gänze sowie etwa die Hälfte des sog. "Alten Grundbuches" (ca. 1790 bis 1879) einsehbar. Die Reaktion der Benutzer und Benutzinnen ist, soweit sich dies nach der kurzen Zeit beurteilen lässt, überwiegend positiv. Der rasche Zugang zu den gewünschten Quellen, die gegenüber dem Mikrofilm deutlich höhere Qualität der Digitalisate, die Vorteile, die ein Bildschirmarbeitsplatz bietet (z. B. Vergrößerung der gesuchten Eintragungen auf dem Bildschirm) und die einfache Bestellung von Reproduktionen als Datei oder auf Papier werden als besonders vorteilhaft angesehen. Die gelegentliche Instabilität der Applikation wird hingegen ebenso als Nachteil empfunden wie die grobe (gegenüber dem Originalbestand nicht verbesserte) Erschließung und manchmal schwer verständliche Struktur der Pfarrmatrikendaten.


MOM: Oberösterreichs Klosterurkunden im Internet
(Klaus Rumpler)

Im Rahmen des "monasterium" - Projektes sind seit 2008 die Urkunden der oberösterreichischen Klöster (sowohl der bestehenden als auch der aufgehobenen) für die Allgemeinheit online verfügbar. Das Projekt begann 2006 in den jeweiligen Klöstern und im Landesarchiv mit der Digitalisierung und Bearbeitung der einzelnen Urkunden durch ein Team des Instituts zur Erschließung und Erforschung kirchlicher Quellen (IEEkQ) , das bei diesem Projekt federführend war (Leitung: Dr. Thomas Aigner). Damit ist es nunmehr möglich, etwa 22.000 Urkunden der oberösterreichischen Klöster im Internet (http://www.monasterium.net/) sowohl im Original als auch in einer Transkription bzw. als Vollregest einzusehen. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde das Projekt von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Das Unternehmen wurde maßgeblich vom Land Oberösterreich (Kulturabteilung) gefördert.

 

Moskauer Archivalien
Einem Angebot des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Kriegsfolgenforschung (Univ. Prof. Dr. Stefan Karner, Graz) folgend, ließ das Oö. Landesarchiv seit 2004 wichtige Quellen zur sowjetischen Besatzungszeit im Mühlviertel recherchieren und reproduzieren. MitarbeiterInnen des Institutes, das einen Arbeits- und Kompetenzschwerpunkt auf der Erschließung russischer Quellen für die österreichische Nachkriegsgeschichte hat, machten in verschiedenen russischen Zentralarchiven die einschlägigen Unterlagen ausfindig, vor allem im RGVA (Russisches Staatliches Militärarchiv) und dem RGASPI (Russisches Staatsarchiv für sozialpolitische Geschichte). Weil in sowjetischen Augen das Mühlviertel kaum als eigene geografisch-
politische Einheit wahrgenommen wurde, war die Suche nach diesen Quellen - abgesehen von der sprachlichen Barriere - ein schwieriges Unterfangen. Die nunmehr in Kopie übergebenen "Sowjetischen Akten zur Zivilverwaltung Mühlviertel" füllen insgesamt 18 Ordner und werden derzeit für die Benutzung digitalisiert und aufbereitet.

 

Neue Bestände und Verzeichnisse

 

Landesverband Oberösterreich der AntifaschistInnen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus
(Peter März)

Ein Großteil des Aktenbestands des Landesverband Oberösterreich der AntifaschistInnen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus (KZ-Verband / VdA OÖ) wurde im November 2008 unter Eigentumsvorbehalt dem Oberösterreichischen Landesarchiv zur Verwahrung und Aufarbeitung übergeben.
Der KZ-Verband/VdA OÖ besteht seit dem Jahr 1948. Bereits 1945 bis 1948 existierte ein Zusammenschluss regionaler und lokaler Initiativen, die nach und nach einen gemeinsamen Landes- und Bundesverband aufbauten. Dieser "erste KZ-Verband" arbeitete parteiübergreifend; die dennoch unvermeidlichen politischen Implikationen führten jedoch zu Konflikten, woraufhin das Innenministerium im Sommer 1948 die zwangsweise Auflösung durchsetzte. Schließlich gründeten sich entlang der drei politischen Lager drei Nachfolgeverbände: der "Bund Sozialistischer Freiheitskämpfer", die "ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten" sowie der "Bundesverband Österreichischer Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus" (KZ-Verband). Ersterer setzte als Bedingung für einen Beitritt eine Mitgliedschaft bei der SPÖ voraus, während letzterer offiziell Äquidistanz zu allen Parteien wahrte, tatsächlich aber stets in die Nähe der KPÖ gerückt wurde. Da der "KZ-Verband" in einigen Bundesländern wesentlich vitaler agierte, wurde er zur wichtigsten Institution für Opfer des Faschismus.


Karteikarten

Anfänglich dürften die Karteikarten tatsächlich nur für Mitglieder des Verbands angefertigt worden sein (bei 580 Personen findet sich eine Mitgliedsnummer), bald erfasste man aber alle Personen, die in Kontakt mit dem KZ-Verband kamen. Rechts neben der Überschrift "Begründung der Mitgliedschaft" findet sich häufig (in 370 Fällen) ein gestempeltes schwarzes "A" oder ein "OA" mit einer handschriftlich hinzugesetzten Zahl: dies bezieht sich auf eine Amtsbescheinigung bzw. einen Opferausweis. Insgesamt wurden jetzt 1669 Karteikarten erfasst, 1213 Personen sind männlich, 454 weiblich (2 Karteikarten mit unzureichenden Daten).

Von 1233 Personen mit bekanntem Geburtsort stammt der Großteil aus dem heutigen Österreich, 31 aus dem Gebiet der heutigen Tschechischen oder Slowakischen Republik, 7 aus dem jetzigen Deutschland, weitere aus Polen, Spanien, Russland und Ukraine, aus Teilrepubliken des ehemaligen Jugoslawien, Ungarn, Italien, Schweiz, Großbritannien und Frankreich. Auf 1218 Karteikarten sind Haftorte oder Haftzeiten angegeben: 472 mal ausschließlich Gefängnishaft, in 317 Fällen ging einer KZ-, Zuchthaus- oder Kerkerhaft keine Untersuchungsoder Gerichtshaft voraus. In 407 Fällen wurde KZ-Haft vermerkt, wobei viele Opfer mehrere Konzentrationslager durchlaufen mussten:

 Auschwitz  35  Melk  2
 Buchenwald  53  Natzweiler  2
 Bürgermoor  3  Neuengamme  1
 Dachau  128        Oranienburg  3
 Ebensee  12  Pappenurg  3
 Esterwegen  10  Ravensbrück  29
 Flossenbürg  6  Sachsenhausen  18
 Groß Rosen  1  Schörgenhub  35
 Gusen  7  Theresienstadt  12
 Mauthausen  105    


Ordner

Die in den einzelnen Ordnern enthaltenen 818 Fragebögen und Eidesstattlichen Erklärungen sind als Ergänzung zu den Karteikarten zu betrachten. Hier wird detailreich alles abgefragt und erläutert, was für eine Mitgliedschaft relevant bzw. was für einen Antrag auf Entschädigung notwendig war. Hier finden sich auch 159 Fotos von WiderstandskämpferInnen, Opfern und Hinterbliebenen. Die teilweise bereits wenige Wochen nach der Befreiung im Mai 1945 ausgefüllten Fragebögen machen außerdem oft die schwierige soziale Situation der Betroffenen deutlich.

Von den 256 Frauen und 561 Männern stammt wieder der Großteil aus Österreich, 17 aus dem Gebiet der ehemaligen CSR, weitere aus Deutschland, Ungarn, Italien, Spanien, Polen, Rumänien, Teilrepubliken Jugoslawiens sowie je eine Person aus Belgien, dem heutigen Russland und Lettland.

An der weiteren Erschließung des Bestandes und seiner inhaltlichen Verknüpfung mit weiteren einschlägigen Unterlagen im Oö. Landesarchiv wird gearbeitet.

 

Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich

In Österreich leben heute etwa 16.000 Siebenbürger Sachsen, 12.000 davon in Oberösterreich. Die meisten von ihnen kamen 1944 und 1945 nach dem Zusammenbruch Rumäniens aus Siebenbürgen nach Österreich, wo sie eine neue Heimat fanden. Die Siebenbürger Sachsen bemühten sich von Anfang an, ihre jahrhundertealte, eigenständige Volkskultur fortzuführen und im Rahmen der österreichischen Kultur weiter zu entwickeln. Zu diesem Zweck schlossen sie sich bald zu einer in Vereine und Nachbarschaften gegliederten "Landsmannschaft" zusammen. Die "Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen" in Österreich ist Mitglied der internationalen "Föderation der Siebenbürger Sachsen".

Im Jahr 2008 übergab diese Landsmannschaft die Akten über die Vereinstätigkeit der Siebenbürger Sachsen im Bundesland Oberösterreich an das Oö. Landesarchiv. Hier wurden sie durch den Historiker Dr. Hermann Volkmer geordnet, eingeschachtelt und verzeichnet. Der Bestand umfasst nun 42 Schachteln mit Unterlagen zur Geschichte der Siebenbürger Sachsen, Sitzungsprotokollen von Vorstandsitzungen, Korrespondenzen und Zeitungsausschnitten aus der Zeit vom 2. Weltkrieg bis 2002.

 

Nachlass Ferdinand Schmoigl

Vergangenes Jahr kam auch der Nachlass des Eggerdinger Heimatforschers und ehemaligen Lehrers Ferdinand Schmoigl (# 1984) durch Schenkung ins Oö. Landesarchiv. Der lokalhistorische Nachlass war ursprünglich auf mehrere Standorte zerstreut (Gemeindeämter Eggerding und St. Marienkirchen sowie Privatbesitz) und umfasst nur eine Aktenschachtel mit Fotokopien; die hand- oder maschinschriftlichen Originale Schmoigls sind verschollen.

 

Sammlung Otto Wutzel

Der frühere Leiter der Kulturabteilung des Landes Oberösterreich, Hofrat Otto Wutzel, übergab 2008 dem Oö. Landesarchiv einige Mappen mit Künstlerkorrespondenz. Diese wurden hier geordnet und in 6 Schachteln archiviert.

 

Nachlass Josef Wessely

Josef Wessely wurde am 6. März 1814 in Wien geboren und verstarb am 10. Oktober 1898 in Wien. Er begann seine Berufslaufbahn 1834 als Assistent der k.k. Forstlehranstalt Mariabrunn und durchlief bis 1852 verschiedene forsttechnische Aufgaben in Südtirol, Krain und im k. k. Ministerium für Landeskultur in Wien, in Mährisch-Aussee und in Dravieza (Banat). 1859 wurde er Generalinspektor für Domainen und Bergwerke der k. k. priv. Staatseisenbahngesellschaft in Wien und beendete seine Berufslaufbahn 1867 - 1870 als Direktor der k. k. Forstakademie Mariabrunn bei Wien. Er gehörte zu den drei Begründern des Österreichischen Reichsforstvereins im Jahre 1849. Vor der Hochschule für Bodenkultur wurde ihm 1908 ein Denkmal errichtet. Der kleine Nachlass umfasst eine Aktenschachtel mit Diplomen, Ernennungsdekreten und Ehrenurkunden und kam vom Oö. Landesmuseum an das Oö. Landesarchiv.

 

Nachlass Franz Vogl

Konsulent Wiss. Rat Franz Vogl war Leiter der Beratungsstelle für Feste und Feiern bei der Förderungsstelle des Bundes für Erwachsenenbildung und hat von 1950 bis 1972 Vorschläge für viele volkskulturelle Feste zusammengestellt. In den 3 Aktenschachteln befinden sich daher zahlreiche Veranstaltungsunterlagen mit Gedichten und Ansprachetexten, ferner organisatorischer Schriftverkehr und einschlägige Druckwerke.

 

Sammlung Franz Wischin

Bereits 2001 übergab Dr. Franz Wischin persönlich den Großteil seiner Sammlung dem Oö. Landesarchiv. Sie bezieht sich insbesondere auf Krumau und den Böhmerwald und umfasst Manuskripte, Fotoalben, eine Dia-Serie "Krumau" um die Jahrhundertwende 1880/1900, Schriftverkehr sowie handschriftliche Notizen und Kopien heimatkundlicher Literatur. Die Manuskripte behandeln u. a. folgende Themen: Egon Schiele, Ing. Ludwig Schiele - Pionier des Bahnbaues, Egon Schiele in der Kunstdiktatur des Dritten Reiches, die Krumauer Madonna, die Gojaner Muttergottes, das Krumauer Gymnasium, das Krumauer Stadttheater, Südböhmen als Kulturlandschaft. Im März 2005 übergab der Sohn von Franz Wischin nach dem Tod seines Vaters den Rest der Sammlung Krumau: 3 Schachteln mit alten Grafiken, Postkarten, Fotografien sowie Manuskripten und Notizen zum Gymnasium sowie eine Mappe mit Drucken und Stichen der Stadt Krumau. Durch die Neuordnung im Berichtsjahr wurden die beiden Bestandsteile in nunmehr 12 Schachteln zusammengeführt.

 

Nachlass Heinz Burg

Dr. Heinz Burg war Inhaber der Fa. Heizöle Jessl in Linz und hatte vom Fürsten Starhemberg die Burgruine Lobenstein (in der Ortsgemeinde Oberneukirchen) gepachtet, wieder aufgebaut und als Zweitwohnsitz genutzt. Aus diesem Grunde beschäftigte er sich intensiv mit der Geschichte der Wehranlage und deren Besitzer, um eine umfassende Chronik zu erstellen. Den Großteil seiner Forschungsunterlagen vermachte er dem Landesarchiv. Es handelt sich um 72 Mappen mit Urkundentranskriptionen, alphabetisch nach Adelsgeschlechtern und Ortschaften (Allerheiligen bis Zinespan) geordnet, im Umfang von zwei Aktenschachteln.

 

Nachlass Hermann Padosch

2008 schenkte Frau Waltraud Padosch den Nachlass ihres im Oktober 2007 verstorbenen Ehemannes Hermann Padosch dem Oö. Landesarchiv. Es handelt sich dabei um 67 Aktenordner mit Kopien sowie maschinschriftlich verfassten Abschriften der Tauf-, Trauungs- und Sterbematriken der im Banat liegenden Pfarren Werschetz, Neu Palanka und Weißkirchen. Die Mikrofilme, aus denen die Reproduktionen stammen, sind in der Bibliothek des Instituts für Auslandsbeziehungen in Stuttgart. Die Stadt Vrsac, deutsch Werschetz, liegt heute in Serbien. Im 18. Jahrhundert wurden hier katholische Siedler angeworben, darunter auch viele "Landler" aus Oberösterreich. Deshalb enthalten die Matriken die Namen vieler oberösterreichischer Auswanderer. Von der Pfarre Werschetz sind Reproduktionen aus den Taufbüchern von 1723 - 1764, 1795 - 1799 und 1831 - 1949, aus den Hochzeitsbüchern von 1734 - 1921 und aus den Sterbebüchern von 1725 - 1732 und 1829 - 1999 vorhanden. Von Teilen der Pfarrmatriken von Weißkirchen und Neu Palanka (Taufen 1723 - 1778, Hochzeiten 1724 - 1751 und 1758 - 1766) verfasste Herr Padosch Abschriften. Die Fotokopien der Matriken wurden gescannt und dann vernichtet. Der Bestand umfasst 3 Aktenschachteln mit 14 Faszikeln der maschinschriftlichen Matriken-Abschriften und eine DVD mit den gescannten Kopien.

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"Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus"

Mit der Präsentation des abschließenden Doppelbandes "Oberdonau" am 23. Oktober des Berichtsjahres (s. unten: Neuerscheinungen) ist auch das Projekt "Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus" abgeschlossen. Sowohl von der Laufzeit als auch vom finanziellen Volumen her war es das mit Abstand größte Forschungsprojekt, das jemals vom Oö. Landesarchiv durchgeführt wurde. Hier soll nicht eine neuerliche inhaltliche Erläuterung geboten, sondern eine kurze Zusammenfassung der organisatorischen Erfahrungen versucht werden, die wir im Lauf der 7 Jahre gewannen.

Als schwierigstes Problem erwies sich die zeitliche Koordination der Beiträge, vor allem jener in den Sammelbänden. Etwa die Hälfte aller Autorinnen und Autoren hielt die vertraglich vereinbarten Liefertermine nicht ein, was in der wissenschaftlichen Community nicht ungewöhnlich und normaler Weise auch nicht tragisch ist. Problematisch wird es allerdings, wenn dadurch andere, pünktlich gelieferte Arbeiten nicht erscheinen können, oder wenn reservierte Budgetmittel verfallen. Letzteres konnte durch die Sonderbudgetierung des Projektes vermieden werden, ersterer Effekt ist wohl nur durch die vertragliche Vereinbarung entsprechender Sanktionen zu vermeiden.

Flexibilität war bezüglich des Projektumfanges und der Themenwahl gefragt. Der Umfang war zu Anfang weder von den Auftraggebern festgelegt noch verbindlich publiziert worden. So konnte es nicht ausbleiben, dass im Lauf der Zeit weitere Ideen und Themen an die Projektleitung herangetragen und teilweise auch akzeptiert wurden, was die finanzielle Ausstattung des Gesamtprojektes glücklicher Weise erlaubte. Dies führte allerdings dazu, dass weder die ursprüngliche Idee, ausschließlich Forschungslücken zu bearbeiten, noch der spätere Wunsch, alle "wichtigen" Themen zu behandeln, konsequent durchgehalten werden konnte. Auch nach dem offiziellen Abschluss des Projektes sind noch zugesagte Monografien ausständig.

Als Defizit dürfte anzumerken sein, dass außer der Drucklegung der Forschungsergebnisse kaum Maßnahmen oder Kooperationen für die Verbreitung der Ergebnisse vorgesehen wurden. Ohne solche begleitenden und anschließenden Projekte wird es sehr lange dauern, bis die neuen Erkenntnisse und Einsichten jene Breitenwirkung entfalten, die beabsichtigt und erwünscht ist.


"Oberösterreich 1918-2008. Vom Erzherzogtum zur Zukunftsregion"

 

"Mit herzlichen Grüßen" Ausstellung in St. Florian
(Rudolfa Zeman)

Die Chorherren des Stiftes St. Florian pflegten an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, ihren Mitbrüdern Ansichtskarten aus allen Gegenden der Welt, vor allem aber aus den umliegenden Ländern zu senden. Diese Karten wurden dann dem Stiftsarchiv übergeben. So entstand eine Sammlung mit etwa 16.000 Motiven allein aus Oberösterreich. Das Stift erklärte sich 2007 grundsätzlich bereit, die Sammlung zugänglich zu machen. In Zusammenarbeit von Stift, Landesarchiv und Landesmuseum wurde für das Jubiläumsjahr "90 Jahre Oberösterreich" eine repräsentative Auswahl von 400 alten Ansichtskarten aus allen Bezirken des Landes in einer Ausstellung im Stift gezeigt, die Masse der Ansichten (weit über 10.000) aber digital im Internet bereitgestellt.

Die Digitalisierung der alten Ansichten war eine mühevolle und zeitraubende Arbeit. Um diese vom Projektstart im April bis zur Ausstellungseröffnung am 15. Juli 2008 fertig zu stellen, bedurfte eines gut durchdachten und maßgeschneiderten Ablaufes. Für eine Vorauswahl mussten die ca. 30.000, bereits nach Bezirken und Gemeinden geordneten Karten neuerlich gesichtet und nach Informationsgehalt und Originalität bewertet werden. Auch die Erfassung von Zusatzinformationen (Metadaten) musste aus Zeitgründen auf einige wenige Basisdaten (z. B. Ort, ungefähre Entstehungszeit, Bildansicht) reduziert werden, Kunst- bzw. Sammlerkriterien blieben unberücksichtigt. Die kurzfristige Einrichtung von drei Arbeitsplätzen mit Flachbildscanner und PC und die Verpflichtung freier MitarbeiterInnen machten es möglich, zu Ausstellungsbeginn über 12.000 Ansichten digital bereitzustellen. Für die Ausstellung und den aufwändigen Ausstellungskatalog wurden aus dieser Menge die 400 repräsentativsten Ansichtskarten ausgesucht. Ende Juli wurden die Scann- und Ordnungsarbeiten mit einer Stückzahl von 16.644 erfassten und gescannten Karten (600 dpi Farbe) endgültig abgeschlossen. Die Ausstellung im Stift St. Florian dauerte vom 19.07.2008 bis 5.10.2008. Seit Oktober ist die Ansichtskartensammlung des Stiftes St. Florian im Internet einzusehen.


"Propaganda und Manipulation?". Politische Plakate in Oberösterreich 1918 - 2008
(Cornelia Sulzbacher)

Von 11. April bis 26. Juni 2008 stellte das Oberösterreichische Landesarchiv in Zusammenarbeit mit den Oberösterreichischen Landesmuseen im Landeskulturzentrum Ursulinenhof unter dem Titel "Propaganda und Manipulation? Politische Plakate in Oberösterreich 1918 - 2008" 70 Plakate aus seiner Sammlung aus. Anhand mehrerer Schwerpunkte wie Krieg, Wahlen, Hunger und Volksabstimmung wurden Plakate der letzten 90 Jahre einander gegenübergestellt und die Entwicklung in der Plakatgestaltung deutlich gemacht. Waren die Wahlplakate der 1920er Jahre noch deutlich textorientiert, wurde bereits in den 1930er Jahren verstärkt mit Bildern und Slogans gearbeitet.


Die Eröffnung der Plakatausstellung fand am 10. April 2008 statt, 70 Jahre nach der Volksabstimmung über den "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich, einer Volksabstimmung, der eine massive Propagandawelle vorausging, in der auch Plakate eine wesentliche Rolle spielten. Univ. Prof. Dr. Peter Becker von der Universität Linz erläuterte in seinem Eröffnungsvortrag in Anwesenheit von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer die suggestive Wirkung, die Plakate auf ihren Betrachter haben können. Nicht umsonst wird heute mit ausgeklügelten Methoden wie eye tracking an der richtigen Gestaltung von Plakaten gefeilt, damit sie ihre Botschaften bestmöglich an den Betrachter, selbst wenn er nur einen flüchtigen Blick auf sie wirft, vermitteln.


Gleichzeitig machte die Ausstellung die Veränderung der Rolle der Plakate als Informationsträger deutlich. Waren sie früher neben Zeitungen und Aushängen eine der Hauptinformationsquellen der Menschen, tritt dieser Aspekt heute in Zeiten eines Überangebotes an Information durch Internet, Fernsehen und andere Medien deutlich in den Hintergrund. Während 1914 noch die Kriegserklärung an Serbien und die Mobilisierung affichiert wurde, dienten Plakate in der Ersten Republik als politische Kampfmittel und in der Diktatur als Propagandainstrument. Seit den 1960er Jahren verlor das Plakat zunehmend an Bedeutung in der politischen Auseinandersetzung, dokumentiert aber immer noch wesentliche Punkte des gesellschaftlichen
Wandels.


Geschichtsgespräche
(Cornelia Sulzbacher)

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "90 Jahre Oberösterreich" führte die Oberösterreichische Rundschau in Kooperation mit dem Oberösterreichischen Landesarchiv im September und Oktober 2008 eine 13teilige Vortragsreihe in den Bezirken zum Thema Geschichte Oberösterreichs von 1918 bis zur Gegenwart durch.
Schauplatz der Veranstaltungen mit einer durchschnittlichen Besucherzahl von 40 Geschichtsinteressierten pro Abend waren Landesmusikschulen, die auch für die musikalische Gestaltung der Abende sorgten (LMS Garsten, LMS Vöcklabruck, LMS Braunau, LMS Stadl-Paura, LMS Perg, LMS Bad Ischl, LMS St. Martin, LMS Pregarten, LMS Bad Schallerbach, LMS Haslach, LMS Kirchdorf, LMS Altenberg). Anschließend an ein Referat zur allgemeinen Geschichte Oberösterreichs von Josef Goldberger und Cornelia Sulzbacher vom Oberösterreichischen Landesarchiv, hielten folgende ReferentInnen Vorträge zur jeweiligen Bezirksgeschichte: Raimund Locicnik (Bezirk Steyr-Land, Stadt Steyr), Franz Satzinger (Bezirk Vöcklabruck), Florian Schwanninger (Bezirk Braunau), Günter Kalliauer (Bezirk Wels-Land, Stadt Wels), Martha Gammer (Bezirk Perg), Michael Kurz (Bezirk Gmunden), Gottfried Gansinger (Bezirke Ried und Schärding), Fritz Fellner (Bezirk Freistadt), Wolfgang Perr (Bezirke Grieskirchen und Eferding), Franz Gumpenberger (Bezirk Rohrbach), Wilhelm Mayrhofer (Bezirk Urfahr-Umgebung). In Kirchdorf entfiel das Bezirksreferat wegen Krankheit. An vier Abenden (St. Martin, Bad Schallerbach, Altenberg, Linz) erzählte Altlandeshauptmann Dr. Josef Ratzenböck aus seinem Leben, von seinen Erinnerungen an die Zwischenkriegszeit, den Zweiten Weltkrieg und den Wiederaufbau nach 1945.
Die Abschlussveranstaltung der Vortragsreihe fand zum Thema 90 Jahre Geschichte in Oberösterreich und Linz in der Landesgalerie in Anwesenheit von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer statt. Begleitend zu den "Geschichtsgesprächen" wurde in den Landesmusikschulen jeweils für eine Woche eine kleine Plakatausstellung mit historischen Plakaten der letzten 90 Jahre gezeigt beginnend bei der Werbung zur Zeichnung von Kriegsanleihen 1917 über den Staatsvertrag und den Marshall-Plan bis zur Europäischen Union.


"Mit Brief und Siegel"
(Klaus Rumpler)

In der Zeit vom 16. Oktober 2008 bis 9. Jänner 2009 fand im Linzer Schlossmuseum eine ebenso kleine wie ungewöhnliche Ausstellung unter dem Titel "Mit Brief und Siegel" statt. Ziel der Gestalter war es, anhand von zehn "Schlüsseldokumenten" der oberösterreichischen Geschichte (Archivalien des Oö. Landesarchivs und auswärtiger Leihgeber) die enorme Bedeutung dieser oft unscheinbaren Objekte für die Herausbildung des heutigen Erscheinungsbildes Oberösterreichs zu verdeutlichen. Durch Verzicht auf bildliche und figürliche Begleitobjekte sollte die Aufmerksamkeit der BesucherInnen auf das Schriftstück selbst, seine Eigenheiten und Gestaltung, gelenkt werden. Dadurch konnte auch viel mehr als bei anderen Gelegenheiten die 'Aura' der Originalurkunden, die Faszination des hohen Alters und der Einmaligkeit der ausgestellten Stücke, vermittelt werden. Trotz des nicht einfachen Zuganges zum Thema wurde die Ausstellung von etwa 15.000 BesucherInnen frequentiert.


"Geschichtsorte Oberösterreichs"
(Norbert Kriechbaum)

Anlässlich des Jubiläums Oberösterreich 1918-2008 - Vom Erzherzogtum zur Zukunftsregion erging der Auftrag an das Landesarchiv, etwa 50 für die Landesgeschichte der letzten 90 Jahre markante Orte bzw. Gebäude auszuwählen, die mit Fotos und erklärenden Texten in einer Broschüre zusammengefasst werden sollten. Zudem war vorgesehen, an den ausgewählten Orten Tafeln mit kurzen Erläuterungen anzubringen. Die Herausforderung bestand sowohl darin, die letzten 90 Jahre zeitlich abzudecken, als auch darin, eine breite, möglichst alle Bezirke einbeziehende geographische Streuung der Orte und Objekte zu erzielen. Auch sollte darauf Bedacht genommen werden, Orte, die im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit möglicherweise nicht als besonders "geschichtsträchtig" präsent waren, zu berücksichtigen, um Interesse für lokale, alltagsnahe Geschichte wachzurufen. Dank guter Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung, die für die Bereitstellung der Abbildungen und das Layout verantwortlich zeichnete, konnte im Oktober 2008 die erste Auflage der Broschüre (2000 Stück) präsentiert werden. Wie auf Grund der durch Literatur- und Quellenmangel oftmals schwierigen Recherche nicht anders zu erwarten, gingen zahlreiche Korrektur-Vorschläge aus dem lokalen Umfeld ein, die in der für 2009 geplanten Neuauflage (erneut 2000 Stück) nach ihrer Verifizierung Berücksichtigung finden werden.


600 Jahre Landtag
(Gerhard Steininger)

2008 feierte der Oö. Landtag ein besonderes Jubiläum. Zum 600 Male jährte sich am 20. Juli jener Tag, an dem die Stände des Landes ob der Enns, wie Oberösterreich bis 1918 offiziell hieß, erstmals zu einem eigenständigen Landtag zusammentraten. Das Oö. Landesarchiv erhielt aus diesem Anlass von Landtagspräsidentin Angela Orthner im Vorjahr den Auftrag, eine Ausstellung zur Geschichte des Oö. Landtags zu erarbeiten. Auf 8 Schautafeln wurden in Wort und Bild wesentliche Entwicklungsstadien dieser Institution von den Anfängen bis heute dargestellt, wobei die Palette von der ersten Landtagsladung durch Reinprecht von Walsee nach Enns (siehe Abbildung oben) über die Hochblüte der Stände im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert, den Niedergang der Ständemacht und die Entstehung des modernen Landtags im 19. Jahrhundert bis hin zu den Brüchen und Entwicklungen des 20. Jahrhunderts reichte. Eine Darstellung des heutigen Landtages rundet die Schau ab. Am 2. Oktober 2008 lud Landtagspräsidentin Orthner zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Festsitzung "600 Jahre Landtag in Oberösterreich" im Steinernen Saal des Landhauses, bei der Archivdirektor Dr. Gerhart Marckhgott die Festrede hielt und auch die Ausstellung präsentiert wurde.


Gangausstellung: Quellen des OÖLA zur Landesgeschichte
(Norbert Kriechbaum)

Der Umbau des Benutzerbereiches zu Jahresanfang bot willkommenen Anlass, eine Neugestaltung des von der Öffentlichkeit frequentierten Bereichs des Landesarchivs in Angriff zu nehmen. Zu diesem Zwecke sollten die alten, schon etwas in die Jahre gekommenen Tafeln im ersten und zweiten Stockwerk durch eine neue, zeitgemäße Dauerausstellung ersetzt werden.
Auf zwölf Doppeltafeln wird der Versuch unternommen, anhand ausgewählter Themen den Weg Oberösterreichs von den ersten Klostergründungen über die mittelalterliche Landwerdung bis in die Gegenwart nachzuzeichnen. Natürlich war es in diesem beschränkten Rahmen nicht möglich, einen auch nur annähernd "vollständigen" Überblick über die Landesgeschichte zu geben, weswegen einige als wesentlich empfundene Ereignisse bzw. Entwicklungen exemplarisch herausgegriffen wurden.
Den kurz gehaltenen Erläuterungen wurden zur Illustration Karten, Diagramme bzw. Ausschnitte hauseigener Archivalien zur Seite gestellt. Die graphische Gestaltung lag in den Händen des Creativbüros Matern, das diese Aufgabe gekonnt und ansprechend löste. Bereits bei der Eröffnung der Gangausstellung, die am 20. November zusammen mit der Präsentation des neuen Mitteilungsbandes erfolgte, stieß sie auf reges Interesse der Besucher und trägt seitdem zur Verschönerung des Stiegenhauses bei.


Neuerscheinungen


Tötungsanstalt Hartheim (überarbeitete 2. Auflage)
(Gerhard Steininger)

2005 erschien in der Reihe "Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus" im Oberösterreichischen Landesarchiv ein Band über die Tötungsanstalt Hartheim. Dieses Buch war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. 2008 wurde nun eine völlig überarbeitete und deutlich erweiterte Neuauflage dieses Standardwerkes über die NS-Euthanasie in unserem Bundesland vorgestellt. Die Forschung über die nationalsozialistischen Tötungsaktionen an kranken, behinderten und anderen missliebigen Personen hat in den letzten Jahren erhebliche Forschritte gemacht. Trotz höchster Geheimhaltung und systematischer Spurenvernichtung durch den NS-Staat fanden Forscherinnen und Forscher , die sich mit den Vorgängen in und um Schloss Hartheim von 1940 bis 1945 befassten, zahlreiche neue Quellen und Fakten. Nicht nur Organisation und Abläufe der "Aktion T4" und "14f13" konnten fast lückenlos rekonstruiert werden, sondern auch die Identifizierung der Opfer und Täter/innen dieses ersten Massenmordes des nationalsozialistischen Regimes ist nun weitgehend erfolgt.
Die Ergebnisse dieser jüngsten Forschungen sind in die zweite Auflage des Bandes "Tötungsanstalt Hartheim" eingeflossen. Das Buch hat mit 600 Seiten seinen Umfang gegenüber der ersten Auflage mehr als verdoppelt. Unter den neunzehn Beiträgen des vorliegenden Bandes sind zehn völlig neue Arbeiten, die anderen wurden zum Teil grundlegend überarbeitet. Besonders erfreulich ist es, dass viele junge Historikerinnen und Historiker ihre Forschungsergebnisse zu verschiedenen Aspekten der nationalsozialistischen Euthanasieverbrechen im Buch publizieren. Die Arbeiten sind zu einem guten Teil das Produkt von Projekten, die vom Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim in enger Zusammenarbeit mit dem Oö. Landesarchiv initiiert und geleitet wurden, und spiegeln so das Forschungsprofil der Institution. Die "Tötungsanstalt Hartheim" steht für eines jener Kapitel nationalsozialistischer Herrschaft, die am längsten im Dunkel der Geschichte verblieben. Nun wird es mit seinem gesamten Umfeld umfassend dargestellt - "den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung".


"Oberdonau": Doppelband zum Abschluss
(Gerhard Steininger)

1978 erschien der Band "Oberösterreich als es Oberdonau hieß" von Harry Slapnicka, dem ersten "Zeitgeschichtler" am Oberösterreichischen Landesarchiv. Das Buch war eine Pionierleistung ersten Ranges und wurde zum gesuchten, seit Jahren vergriffenen Standardwerk. Nach den tiefgreifenden Veränderungen, welche die österreichische Diskussion und Wahrnehmung der Zeit des Nationalsozialismus in den achtziger und neunziger Jahren erfuhr, gab der oberösterreichische Landtag 2001 den Anstoß zu einer neuen Gesamtdarstellung der Jahre 1938-1945 in Oberdonau. Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer als Kulturreferent der Landesregierung beauftragte das Oö. Landesarchiv mit der Planung und Durchführung des Projektes. 2008 wurde das Projekt mit einem Doppelband abgeschlossen: ein Überblicksband und eine kommentierte Bibliografie runden nun die Reihe der (vorläufig) zehn Spezialbände ab. Der Abschlussband des Projektes ist Prof. Harry Slapnicka, der am 29. Oktober 2008 seinen 90sten Geburtstag feierte, gewidmet. Er ist eine leicht lesbare, knappe und dennoch umfassende Darstellung der NS-Zeit in Oberösterreich, die gleichermaßen Schüler/innen wie allgemein interessierten Laien einen inhaltlich verlässlichen Überblick zum Thema ermöglicht, den aktuellen Stand des Wissens über Oberdonau zusammenfasst und eine verlässliche Basis für die kritische und differenzierte Auseinandersetzung mit dieser Zeit ist.

Breite Themenstreuung
In überschaubaren Kapiteln werden die Strukturen des NS-Regimes in Oberdonau nachgezeichnet:
staatliche Verwaltung, Partei, Soziales, Wirtschaft, Justiz, Kunst & Kultur, Presse, Wehrmacht, Orte der Verfolgung und des Terrors in Oberdonau. Auch wird Funktion, Rolle und Schicksal konkreter Bevölkerungsgruppen und Einzelmenschen innerhalb dieser Strukturen behandelt: Frauen, Jugendliche, NS-Funktionäre, Widerständige, Opfer. Denn trotz großer Hoffnungen, die viele Oberösterreicher/innen auf die attraktiven Verheißungen des Regimes setzten, und trotz partieller Verbesserung der Lebensbedingungen nach dem Anschluss, zeigte sich schon in den ersten Stunden der NS-Herrschaft, dass viele Menschen aus politisch, rassischen oder sozialen Gründen aus der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft mit ihren Begünstigungen ausgeschlossen wurden und dem Terror der neuen Machthaber ausgesetzt waren.

Kommentierte Bibliografie
Noch heute ist die gesellschaftliche Erinnerung an die Jahre 1938 bis 1945 stark von gegensätzlichen Erfahrungen der Zeitzeug/innen geprägt. Parallel dazu hat in den letzten Jahrzehnten die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Zeitraumes eine Fülle von Publikationen hervorgebracht. Um auch dem Laien eine bestmögliche Orientierung in einer Unzahl von größeren und kleineren Veröffentlichungen zu ermöglichen, ergänzt ein bibliografischer zweiter Band mit Kommentaren und Registern den Textband.


21. Band der Mitteilungen des OÖLA
(Klaus Rumpler)

Im Rahmen einer kleinen Feier wurde im Oö. Landesarchiv am 20.November 2008 der 21. Band der "Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs" vorgestellt. Er ist mit einem Umfang von 700 Seiten der bisher umfangreichste dieser traditionsreichen Zeitschrift und enthält zum Teil umfangreiche Beiträge zur oberösterreichischen Landesgeschichte vom 11. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die Titel der Aufsätze können auf der Homepage des Oö. Landesarchivs eingesehen werden.

Icon - Sprung zum Seitenanfang Personalia und Statistik

Prof. Dr. Harry Slapnicka 90 Jahre


Im Rahmen der Präsentation der Abschlussbände des Oberdonau-Projektes, die Harry Slapnicka gewidmet sind, wurde auch der 90. Geburtstag des oberösterreichischen Zeitgeschichte-Pioniers gefeiert, der 1971 ins Landesarchiv kam. Seine Ausbildung und sein beruflicher Werdegang entsprachen nicht unbedingt dem klassischen Archivarsbild. Zudem war Zeitgeschichte eine kaum noch etablierte Fachrichtung. Aber er hatte seinen Kollegen und Nachfolgern voraus, dass er für den jüngeren Teil seines Arbeitsgebietes nicht nur selbst Zeitzeuge war, sondern dank seiner früheren Tätigkeit auch einen hochkarätigen und weiten Bekanntenkreis mitbrachte, der ihm einmalige Informationen und Zugänge zum zeitgeschichtlichen Geschehen eröffnete. Und schließlich brachte er als Journalist die in Fachkreisen seltene Fähigkeit mit, Forschungsergebnisse zügig und leicht verständlich zu Papier zu bringen und zu veröffentlichen.

Slapnicka war als Archivar weitgehend auf sich selbst gestellt, konnte in dem weiten Arbeitsgebiet selbst seine Schwerpunkte setzen und aktiv werden. Er richtete mehrere Dokumentationsbereiche ein, legte besonderes Augenmerk auf die Beobachtung und Auswertung der aktuellen Tages- und Wochenpresse und nahm ein Projekt in Angriff, das ihn nicht mehr loslassen sollte: Die Darstellung der Geschichte Oberösterreichs von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis herauf in die 1950er Jahre. Ein Buch folgte dem nächsten, 1974 bis 1986 entstanden nicht nur die fünf 'klassischen' Bände über Oberösterreichs Entwicklung 1861 bis 1955, sondern auch parallel und ergänzend dazu Darstellungen der politischen Führungsschichten, Dokumentenbände und eine eigene Reihe mit Biografien großer OberösterreicherInnen.

Slapnickas rastlose Arbeit, seine Bekanntheit und sein Erfolg veränderten das Landesarchiv. Nicht nur intern durch die Etablierung der Zeitgeschichte als gleichwertiger Sparte in der wissenschaftlichen Bandbreite und durch die Verankerung dokumentierender, bestandsergänzender Sammlungen, sondern auch in der Außenwahrnehmung. Mit zahllosen Artikeln und Vorträgen schuf er sich und damit auch dem Landesarchiv eine bisher nicht gekannte Öffentlichkeit. Beschäftigung mit der Zeitgeschichte wurde während und dank seiner Tätigkeit in Oberösterreich selbstverständlich. Es ist kein Zufall, sondern zu einem guten Teil sein Verdienst, dass Oberösterreich heute noch unter den Bundesländern eine Spitzenstellung in der Aufarbeitung seiner jüngeren Vergangenheit einnimmt und dass das Landesarchiv daran immer noch einen entscheidenden Anteil hat.


Personelle Veränderungen
(Willibald Mayrhofer)

Im Berichtsjahr 2008 erfolgte die Pensionierung unseres Bibliothekars Rudolf Baumann; Frau Silvia Penninger wird nun alleine die Bibliotheksverwaltung übernehmen. Herr Daniel Gschwandtner, der nach seiner Ausbildung in der Abteilung IT von dort übernommen werden konnte, bildet für unseren IT-Bereich jene Verstärkung, die für die erfolgreiche Umsetzung der Digitalisierungsstrategie unbedingt notwendig war. Mit Frau Manuela Schöller wurde unser Reinigungsteam wieder komplettiert.


Statistik

Die traditionellen, seit Jahrzehnten erhobenen Kennzahlen wurden einerseits durch die Änderungen der Archivleistungen selbst, andererseits durch geänderte Sichtweisen und Fragestellungen in den letzten Jahren immer weniger aussagekräftig. Auch die Exaktheit lässt einigermaßen zu wünschen übrig, weil seit der Einrichtung des zweiten Lesesaales Überschneidungen zwar unvermeidlich, aber praktisch nicht zählbar waren. Seit der Eröffnung des Digitalen Lesesaales im Mai des Berichtsjahres ist die Bedeutung der Aushebe- und Reproduktionszahlen geradezu auf den Kopf gestellt: je erfolgreicher die Strategie digitaler Bereitstellung umgesetzt wird, umso weniger werden Originale benutzt und Reproduktionen durch MitarbeiterInnen hergestellt. Der tatsächliche Erfolg dagegen, die hohen Zugriffszahlen auf digitalisierte Archivalien, ist mit den herkömmlichen Zählmethoden nicht feststellbar. Ein weiteres Beispiel für die statistischen Probleme: kam früher jede/r Interessent/in ins Archiv, um Verzeichnisse einzusehen (und wurde dadurch als Benutzer/in gezählt), so stehen die Verzeichnisse heute fast zu 100 % im Internet zur Verfügung und werden elektronisch eingesehen: tausende, vielleicht zehntausende "virtuelle Besucher" entgehen der Statistik, obwohl sie den selben Output (Information) mitnehmen wie vor 10 Jahren. Wir arbeiten an der Verbesserung und Neuausrichtung der Erfassungskategorien und -methoden. Bis dahin ersuchen wir um Verständnis für die Reduzierung der Kategorien und vor allem um Vorsicht bei der Interpretation scheinbar(!) vergleichbarer Zahlenreihen.

 Zahl der Benützer im Jahr 2008     888
 Zahl der Tagesbesucher im klassischen Lesesaal   2.836
 Gesamtzahl der Tagesbesucher (inkl. Mikrofilmsaal)   5.390
 ausgehobene Archivalien   5.891
 ausgehobene Bücher   1.963
 Gesamtzahl der Archivalien und Bücher inkl. Mikrofilme  13.863
 Reproduktionen  10.049


Veranstaltungen:
19 Fortbildungsveranstaltungen mit 173 Teilnehmern

2009

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2008

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2007

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2006

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2005

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2004

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1997-2003

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1896-1996

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