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Herrschaftsarchiv Steyr

Seit Beginn des 17. Jahrhunderts war die Familie Lamberg im Besitz der Herrschaft Steyr, und die Spuren einer Archivordnung gehen ebenfalls bis in dieses Jahrhundert zurück. Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fungierte das Archiv in Steyr als Zentralarchiv der dortigen Linie des Hauses Lamberg. Weitere Ordnungen wurden um 1800 vorgenommen, jedoch geriet der Bestand zum Teil infolge von Kriegsereignissen wieder in Unordnung. Eine Neuordnung erfolgte um 1910 durch Anton Rolleder, der die Akten in Faszikel einteilte und ein zehnbändiges Verzeichnis anlegte. 1938 verkaufte Graf Vollrath Raimund Lamberg Schloss Steyr an die damaligen Reichsforste, während das Familienarchiv im Oberösterreichischen Landesarchiv deponiert wurde. Die vorerst in Steyr verbliebenen Bestände des Herrschaftsarchivs gerieten im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wieder in Unordnung, der Bestand konnte jedoch 1948 vom Landesarchiv übernommen und in den Jahren 1955/56 neu geordnet werden. Das Familienarchiv, dem Gesamtbestand wieder angegliedert, ging schließlich 1973 durch eine testamentarische Verfügung der Gräfin Johanna Lamberg endgültig in den Besitz des Landesarchivs über.

Nunmehr sind vorhanden: 203 Urkunden (ab 1388), 1811 Handschriften, 1509 Schachteln Akten, Karten und Pläne (4 Mappen) und eine Patentsammlung. Das Familienarchiv enthält gemäß der Stellung des Geschlechts unter der Aristokratie der Habsburgermonarchie sehr wertvolles Material zur Landesgeschichte, aber auch zur österreichischen und europäischen Geschichte in der frühen Neuzeit (Tagebücher, Korrespondenzen, rechtliche Vereinbarungen und Prozesse einzelner Familienmitglieder). Die Handschriften und Akten der Herrschaftsverwaltung sind reichhaltig und ebenfalls von besonderer Bedeutung, da es sich um die größte der ehemaligen Grundherrschaften im südöstlichen Oberösterreich handelt, die sich überdies durch eine weitgehende räumliche Geschlossenheit auszeichnet. Urbare (ab dem 15. Jahrhundert), Grundbücher und Protokolle (1555-1789) der Herrschaftskanzlei sind besonders hervorzuheben. Darüber hinaus sind auch Archivalien Lambergischer Besitzungen in Tirol, Niederösterreich, Böhmen, Mähren und Ungarn vorhanden.

1509 Schachteln, 1811 Handschriften, 203 Urkunden
Laufzeit: 14. - 20. Jh.
Literatur: Handbuch der österreichischen Wissenschaft 5. Band (Wien 1965) 269; Georg Heilingsetzer, Das Lamberg'sche Schlossarchiv Steyr und seine Bedeutung als Familien- und Herrschaftsarchiv, in: Scrinium 22/23 (1980) 88 ff.

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