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Reichsstatthalterei 1940-1945 / Sanitätsverwaltung

Die Abteilung 13 (Aktenzeichen G/13) des Amtes der oberösterreichischen Landesregierung bzw. der Landeshauptmannschaft (ab Mai 1934)  war vor dem Anschluss zuständig für das Gesundheitswesen des Landes Oberösterreich. Die oberösterreichischen Amtskalender für die Jahre 1937 (Stand: Dezember 1936) und 1938 (Stand: Dezember 1937) nennen folgende Angehörige dieser Abteilung, des Gesundheitsamtes der Landeshauptmannschaft: Landessanitätsdirektor Dr. Ferdinand Reinhardt (Leiter der Abteilung), Landessanitätsinspektor Dr. Johann Hager, Dr. Otto Tenschert, der im März 1940 über amtliche Veranlassung als Amtsarzt nach Gmunden gehen musste, Dr. Franz Bauer, der von 1938 bis 1945 Amtsarzt des Landkreises Linz-Land war und nach dem Krieg von Reinhardt wieder in die Gesundheitsabteilung der Landeshauptmannschaft geholt wurde  und Dr. Franz Hopp, der am 1.7.1939 auf eigenen Wunsch in die Reichsversorgungsverwaltung versetzt wurde (zuerst nach Linz und ab 1. Oktober nach Wien).  Hopps Berufslaufbahn in Diensten der oberösterreichischen Sanitätsverwaltung repräsentiert recht anschaulich jene Tatsache, dass in unter- oder nicht besetzten Gesundheitsämtern in den Landkreisen stets die rangniedrigeren Amtsärzte des Landesgesundheitsamtes eingesetzt wurden. Im Juli 1935 war Hopp als Amtsarzt in den Dienst des Gesundheitsamtes der Landeshauptmannschaft getreten. Ab Oktober desselben Jahres bis Juli 1939 versah er über jeweils mehr oder weniger lange Zeiträume den amtsärztlichen Dienst in den Gesundheitsämtern Perg, Freistadt, Eferding, Braunau, Wels, Schärding und Grieskirchen.

Mit dem Anschluss veränderte sich an der Verwaltungsstruktur des nunmehrigen Reichsgaues Oberdonau im Bereich der Sanitätsverwaltung nur wenig. Weiterhin besorgte das Gesundheitsamt der Landeshauptmannschaft (G/13) die Angelegenheiten des Gesundheitswesens, wenn auch im Amtskalender für den Gau Oberdonau 1939 (Stand: Juni 1939) bereits erste Ansätze zu einer zumindest terminologischen Differenzierung der Tätigkeitsgebiete erkennbar sind, die aber in der Praxis, also in den Akten, offensichtlich keinen Niederschlag gefunden haben. So ist in der Hauptabteilung I der Landeshauptmannschaft neben dem Landes-Gesundheitsamt auch von einer Kommunalabteilung mit Landesfürsorgeverband (Leiter: Hermann Haider), Landesjugendamt und Fürsorgeabteilung die Rede. Im sogenannten Sanitätsdienst des Amtes der Landeshauptmannschaft scheint neben den oben Genannten mit Dr. Leopold Haider ein neuer Name auf. Aber weder in den Akten noch in den Einlaufprotokollen des Landes-Gesundheitsamtes für 1938 und 1939  finden diese (begrifflichen) Veränderungen einen Niederschlag. Statt dessen ist weiterhin lediglich vom Gesundheitsamt der Landeshauptmannschaft (G/13) die Rede.

Unter der de facto also gleich gebliebenen Verwaltungsstruktur änderten sich jedoch die personellen Belange und  inhaltlichen Vorzeichen nach dem Anschluss sehr wohl. "Nach der Besetzung des Landes im März 1938 durch die Reichdeutschen wurde Dr. Reinhardt vorübergehend noch in seiner Stellung belassen, hatte jedoch keinerlei Funktion in den Einrichtungen der NSDAP inne, war auch nicht Parteimitglied und es wurde ihm in der Folgezeit der ihm zugeteilte Amtsarzt namens Dr. Hager, der illegales Parteimitglied war, immer mehr und mehr vorgezogen. Ende 1938 oder anfangs 1939 wurde dann auch Dr. Reinhardt als Leiter der Gesundheitsabteilung abgesetzt und Dr. Hager als Leiter bestellt. Seit dieser Zeit war Dr. Reinhardt lediglich zugeteilter Amtsarzt mit der damaligen Bezeichnung 'Sachbearbeiter' für medizinische Angelegenheiten."

Der im Juni 1935 zum Landessanitätsdirektor und somit zum Leiter des Gesundheitsabteilung der Landeshauptmannschaft bestellte Dr. Reinhardt musste also seinem Stellvertreter, Landessanitätsinspektor Dr. Hager, einem "untergebenen Illegalen weichen", der, wie er von sich selber behauptet, "stets radikal und deutschnational eingestellt" war. Dr. Hager, der neue Leiter des Landes-Gesundheitsamtes hatte sich nach einer Amtserinnerung der Landeshauptmannschaft auch inhaltlich "in allen Angelegenheiten, die vom Standpunkte der NSDAP von Bedeutung sind, mit dem Gauamtsleiter für Volksgesundheit  ins Einvernehmen zu setzen. Insbesondere sind alle Verordnungsentwürfe auf sanitärem Gebiet sowie alle ärztlichen Neueinstellungen und Personalveränderungen [...] an die Zustimmung des Gauamtsleiters für Volksgesundheit gebunden."  Dieser Amtserinnerung zufolge gliederte sich das Gesundheitsamt der Landeshauptmannschaft unter Dr. Hager in drei Abteilungen: die Sanitätsabteilung unter Dr. Reinhardt, die juridisch-administrative Abteilung unter Dr. Hochmayr  und das Landesjugendamt unter Dr. Josef Zehetner.

Für eine grundlegend neue Verwaltungsorganisation nach dem Anschluss schuf aber erst das Gesetz über den Aufbau der Verwaltung in der Ostmark (Ostmarkgesetz) vom 14. April 1939, das am 1. Mai desselben Jahres in Kraft trat, die Voraussetzungen. Der Reichsgau Oberdonau sollte den Berliner Zentralbehörden unmittelbar unterstehen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verzögerte das Unternehmen, doch im April 1940 endete definitiv die Tätigkeit der Landeshauptmannschaft, wenngleich einige Abteilungen der neuen Reichsstatthalterei schon etwas früher gebildet worden waren. Die neue Verwaltungsorganisation war trotz formaler Doppelgleisigkeit von staatlicher Verwaltung und Gauselbstverwaltung streng zentralistisch ausgerichtet. Gauleiter Eigruber, der in der staatlichen Verwaltung von einem Regierungspräsidenten (Dr. Palten) und in der Gauselbstverwaltung von einem Gauhauptmann (Dipl.-Ing. Breitenthaler) vertreten wurde, war nun nicht mehr Landeshauptmann, sondern Reichsstatthalter des Reichsgaues Oberdonau. Die Behörde des Reichsstatthalters (Reichsstatthalterei) ersetzte das Amt der oö. Landesregierung und die Abteilung III (Volkspflege) der Reichsstatthalterei mit ihren Unterabteilungen IIIa und IIIb trat an die Stelle des vormaligen Gesundheitsamtes der Landeshauptmannschaft (G/13).

Leiter der Abteilung III war Gauärzteführer Dr. Hans Baumgartner, der in Personalunion auch die Ämter des Leiters der Ärztekammer und des Gaumamtsleiters für Volksgesundheit bekleidete und so die erwünschte Einvernehmlichkeit zwischen staatlicher Verwaltung, Parteidienststellen und Standesvertretung personifizierte.

Die Unterabteilung IIIa (Gesundheitswesen und Leibesübungen), deren Leiter Dr. Hager war, gliederte sich in vier Sachgebiete: IIIa/M1 (Allgemeine Medizinalangelegenheiten, Anstalten, Sanitätspersonen) unter Hager selbst, IIIa/M2 (Besondere Medizinalangelegenheiten) unter Dr. Reinhardt, IIIa/M3 (Gesundheitsfürsorge) unter Dr. Leopold Haider, IIIa/S (Leibesübungen außerhalb der Schulen, Sportaufsicht und Sportpflege) unter Max Standler. Manchmal ist auch von einem Sachgebiet IIIa/MR und dessen Leiter Dr. K. Korherr bzw. Dr. Peterlehner die Rede. Dies dürfte aber eher nur ein Konstrukt in der Planungsphase der neuen Verwaltungsorganisation gewesen sein.

Leiter der Unterabteilung IIIb (Öffentliche Fürsorge, Familienunterhalt, Jugendwohlfahrt und Jugendpflege) war Alfred zur Lippe-Weißenfeld. Ihm unterstanden die Sachgebiete IIIb/FV (Gaufürsorgeverband) mit FV 1 (allgemeine Fürsorgeangelegenheiten) unter Hermann Haider, FV 2 (außerordentliche Fürsorge) unter Karl Bock, später auch unter Hermann Haider bzw. Reg. Insp. Karl Zemlizka, FV 3 (Anstaltsfürsorge und Anstaltswesen) unter Hermann Haider und FV 4 (Rechnungsstelle) unter Alfred Mühlhuber, später ebenso unter Karl Zemlizka; weiters die Sachgebiete IIIb/GJ (Gaujugendamt: Jugendwohlfahrt, Fürsorge-Erziehungsbehörde) unter Josef Klug sowie IIIb/FA (Staatsaufsicht über die Bezirksfürsorgeverbände, die Abteilungen für Familienunterhalt und die Jugendämter) unter Zur Lippe-Weißenfeld mit zeitweiliger Untestützung durch Dr. Franz Niedermayer, (Gaupersonalreferent im Sachgebiet Ib/P1 bzw. Z/Pers) sowie Dr. Peterlehner.

Die Sachgebiete IIIa/M 1-3 nahmen am 15. Dezember 1939, das Sachgebiet IIIa/S sowie die gesamte Unterabteilung IIIb am 1. Jänner 1940 die Tätigkeit auf.

Im November 1943 ist auch von Amts wegen eine gewisse Zusammenlegung der Sachgebiete zu bemerken. In einem Schreiben an die Dienststellenleiter der Abteilung III adressiert Dr. Baumgartner folgendermaßen: Leiter der Unterabteilung IIIa (M1-3) Dr. Hager, Leiter der Unterabteilung IIIb (IIIb/FA, IIIa/S) Zur Lippe-Weißenfeld und Leiter des Gaufürsorgeamtes (IIIb/FV, IIIb/GJ) Hermann Haider.

Am 15. August 1945 wurde die Unterabteilung IIIa in 'IV' und die Unterabteilung IIIb in 'VI' umbenannt, am 25. Juli 1946 IV in 'San' und VI in 'F'.

Im folgenden Verzeichnis fand neben der Abteilung G/13 nur deren eigentliche Nachfolgerin, die Unterabteilung IIIa , Berücksichtigung. Die Unterabteilung IIIb blieb ausgespart.

Da die Sachgebiete IIIa/M3  und IIIa/S sich als eigenständige Verwaltungseinheiten kaum durchsetzen konnten, beschränkte sich die Unterabteilung IIIa bald auf M1 (Hager) und M2 (Reinhardt) und selbst hier handelt es sich eher um die Papierform; wir müssen von einer nahezu gänzlichen Durchmischung der beiden Sachgebiete ohne erkennbare Aufteilung der Zuständigkeiten ausgehen. Selbst innerhalb einer einzigen Geschäftszahl wechseln zuweilen von Schriftstück zu Schriftstück die Sachgebiete bzw. die Stempel der jeweiligen Sachgebiete.

Auch personell sind abgrenzbare Zuständigkeitsbereiche nicht erkennbar. Hager unterschreibt M2- und Reinhardt M1-Geschäftsfälle.

Ab Ende 1943 werden die Angelegenheiten der Sachgebiete M1 und M2 auch teilweise vom Leiter der Abteilung III, Dr. Baumgartner bzw. vom Regierungspräsidenten Dr. Palten bearbeitet.

Als dann am 30.5.1944 Dr. Johann Hager infolge seiner Darm- und Nierenerkrankung plötzlich stirbt (noch am 22.5. scheint er als Bearbeiter auf ) und Dr. Ferdinand Reinhardt die Geschäfte der Gesundheitsabteilung, also der Unterabteilung IIIa, vertretungsweise weiterführt, "weil bei dem damaligen Mangel an Amtsärzten [...] kein anderer zur Verfügung gestanden wäre" , scheint von nun an ausschließlich das Sachgebiet M1 als bearbeitende Instanz auf.

Nach dem Tod von Johann Hager und den zunehmenden Kriegswirren hält die Sanitätsverwaltung der Reichsstatthalterei mit Mühe ihren Betrieb aufrecht. Medizinalbeamte aus anderen Verwaltungsinstanzen helfen aus.

Am 14.6.1944 tritt erstmals Dr. Emil Mayer, der Amtsarzt von Grieskirchen, als Bearbeiter eines Geschäftsfalles des Sachgebietes M1 auf. Dr. Mayer war von Grieskirchen nach Linz beordert worden. Die amtsärztlichen Geschäfte in Grieskirchen versah vertretungsweise Dr. Hermann Schmiedl, Amtsarzt in Wels. Zumindest für die Zeit zwischen Juni und August 1944 lässsich Regierungsinspektor Alfred Dirr als Angehöriger des Landes-Gesundheitsamtes nachweisen. Ab September 1944 ist Dr. Leonhard Praxmarer beteiligt, Ende 1944 kommt Karl Pesinger hinzu, und ab 20. Februar 1945 wurde auch der Schärdinger Amtsarzt, Dr. Josef Holzinger, zur Unterabteilung IIIa bei der Behörde des Reichstatthalters abgeordnet. Ihn vertrat in Schärding Dr. Mösenbacher, der Amtsarzt von Ried. Dr. Reinhardt konnte wieder in die Schranken verwiesen werden, indem ihm "ein bewährtes Parteimitglied (Dr. Mayer) und später Dr. Holzinger zugeteilt wurde, wobei letzterer bereits stillschweigend als Leiter der Gesundheitsabteilung fungierte."

Nicht restlos zu klären ist die Funktion von Dr. K. Korherr. Er scheint am 27. November 1941 als Mitglied der Unterabteilung IIIa auf.  Bereits im Jänner 1942 wird aber vom Sachgebiet Z/HB der Zentralabteilung darauf hingewiesen, dass Korherr dem Polizeidezernat zugeteilt werde und die geplante Aufnahme in die Unterabteilung IIIa nicht empfehlenswert sei.

Nach Kriegsende setzt sich die Gesundheitsabteilung der oö. Landeshauptmannschaft aus Dr. Ferdinand Reinhardt und Dr. Franz Bauer zusammen. Dr. Ludwig Rumpl als Veterinärdirektor, Dr. Roman Rositzky als juristischer Berater und Dr. Georg Sinnesberger als Leiter der bakt.-serolog. Untersuchungsanstalt ergänzten sie. Auf Grund des Verbotsgesetzes wurden verschiedene Amts- und Verwaltungssärzte (kurzfristig) außer Dienst gestellt, so etwa Dr. Johann Baumgartner, Dr. Leopold Haider, Dr. Emil Mayer und Dr. Josef Holzinger.

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